Von ‚No Carb‘ zurück ins Leben.

Dieses Thema liegt mir besonders am Herzen. Ich hatte letzte Woche das große Glück mit einer erfahrenen Bodybuilderin zu sprechen. Sie gewährte mir einen Einblick in ihren Alltag und sprach mit mir offen über ihre Probleme. Vorab möchte ich betonen, dass ich mit diesem Post die Bodybuilder- Szene nicht in ein schlechtes Licht rücken möchte. Vielmehr möchte ich aufmerksam darauf machen und zum Nachdenken anregen.

Fitter, muskulöser, durchtrainierter, weniger Körperfett. Immer mehr Mädels auf Instagram posten Fotos von sich im Fitnessstudio, mit NO Carb Food oder ihrem heranwachsendem Bizeps. Erstmal nicht verwerflich. Jedoch vergessen viele der Trainierenden, dass es schwer und sehr herausfordernd ist, diesen Lifestyle ein ganzes Leben lang durchzuhalten.

So auch die Bodybuilderin. Sie erzählte mir, dass sie durch Instagram an ihr neues Hobby herangekommen sei. Die vielen Fotos und trainierenden Frauen hätten sie regelrecht dazu animiert, direkt loszulegen. Als ich mich mit ihr unterhielt, fielen Begriffe wie: Booster, Defi-Phase, Posing. Sie bot mir Einblick in ihre kleine Welt. Nichts war mehr wichtig, außer das Training und die Ernährung. Kurz vor den Wettkämpfen pushte sie sich nochmal ganz besonders. Sie wollte gewinnen. Verliere so viel Körperfett wie möglich. Die Wettkämpfe wurden für sie zu einer regelrechten Sucht. Auf Instagram himmelten sie mehr und mehr Frauen für ihre schlanke und durchtrainierte Figur an. In ihr, so erzählte sie mir, sah es aber oft ganz anders aus. Bis heute versucht sie nämlich mit den Wettkämpfen und unzähligen Defi-Phasen aufzuhören. Aber sie hat Angst. Angst vor dem Zunehmen und Angst davor, „anders“ auszusehen. Sie gesteht sich selbst ein, dass sie damals mit dem Bodybuilding anfing, weil sie sich in ihrem Körper unwohl fühlte. Sie wollte sich selbst etwas beweisen. Sich mit anderen Frauen messen.

Letztendlich, sagt sie, habe ihr die harte Arbeit zwar gezeigt, dass man sein Ziel mit Disziplin und Willenskraft erreichen kann. Innerlich habe ihr der Druck und das ständige Zählen der Kalorien aber nicht gut getan.

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Ob auf lange Sicht ein solcher Lifestyle gesund ist? Darüber lässt sich streiten und jeder von uns hat sein Leben selbst in der Hand. Sich immer wieder neu herausfordern, Grenzen überschreiten, ein Ziel erreichen. Wer möchte all das nicht?

Leider nehmen sich viel zu viele junge Frauen ein Vorbild an diesem (für mich) gefährlichen Bodybuilding Lifestyle. Unerfahren machen sie Dinge nach und vergleichen sich mit erfahrenen (manchmal auch unerfahrenen) Bodybuildern. Ja, jedem bleibt die Entscheidung selbst überlassen. Nach meinem Gespräch mit Sandra, weiß ich aber auch, dass die „Schattenseiten“ dieses Hobbys oft vertuscht werden. Magenknurren, schlechte Laune, der Wunsch nach Essen, Müdigkeit…

Eine Erfahrung, die man machen kann, aber nicht machen muss. Schön wäre es doch, wenn uns die Bodybuilder auch in den nicht so schönen Momenten an ihrem Lifestyle teilhaben lassen. Die ganzen Bodybulding- Instagrammer. „Meine Defi-Phase läuft!“ Im inneren scheint nach Sandras Aussagen nicht immer alles zu laufen…

About Lou

Louisa Dellert. Neugierig, abenteuerlustig und sehr emotional. Wie das mit Nachhaltigkeit, Politik und Selbstliebe zusammenpasst? Manchmal weiß ich das auch nicht so genau. Aber lest selbst! Viel Spaß auf meinem Blog

5 Comments

  1. Avatar Hannah sagt:

    Toller Text!

  2. Avatar Daniela sagt:

    Ich persönlich finde es sehr toll wie viel Willenskraft Menschen haben die an Wettkämpfen antreten. Die lange Diät und der hohe Druck und dass ich meine Kurven verlieren würde haben mich am Ende von dem Gedanken je an einem Wettkampf teilzunehmen abgebracht. Ich liebe meinen Popo und meine Hüften und würde sie für kein Geld der Welt eintauschen wollen.

    Natürlich wünsche ich mir ab und zu dass da ein bisschen weniger Fett ist oder dort, aber ich glaube den Gedanken hat jeder einmal. Jedoch würde ich nie auf meine Schokokekse oder mein Kokusnussöl oder auf sonstiges leckeres Essen für 12+ Wochen verzichten können oder wollen.
    Zum anderen ist es glaube ich auch für den Körper nicht so gesund ständig zwischen Aufbau und Diätphase zu wechseln.

    Liebe Grüße,
    Daniela von http://vienista.blogspot.com

  3. Avatar Paula sagt:

    Liebe Lou,

    ich danke dir für diesen tollen und ehrlichen Post! Ich selbst lebe und liebe diesen Sport und betreibe ihn mit voller Leidenschaft. Mir ist es so wahnsinnig wichtig, meine positiven Erfahrungen als auch meine Sorgen und Ängste zu teilen.

    Gefährlich wird der Sport dann, wenn der Rückhalt seitens Freunde, Familie und vor allem Trainer fehlt. Dann fallen die meisten in ein großes Loch und kommen nur schwer wieder heraus. Das habe ich leider schon etliche Male an Freunden miterleben müssen.
    Ich persönlich kann mir nichts besseres vorstellen (habe aber auch mein ganzes Leben Leistungssport betrieben). Mir macht es Spaß an meine Grenzen zu gehen und mich mit jedem Wettkampf neu kennenzulernen. Ich mache das gern und habe viel Freude daran. Ich kenne aber auch einige, die v.a. aufgrund von Social Media und Idealbildern unter Druck gesetzt werden und durch das Bodybuilding die Freude am Sport verlieren..

    Ganz schwieriges Thema!

    Liebe Grüße und alles Liebe! 🙂
    Paula

  4. fit_trio fit_trio sagt:

    Hallo liebe Paula 🙂 Vielen lieben Dank für die netten Worte und dein Feedback. Natürlich umso besser, dass du auch die andere Seite aufzeigen kannst bzw. das Gegenteil beweist 🙂 Liebe Grüße, Lou

  5. Avatar Hanna sagt:

    Fitness bedeutet für mich, dass ich meinen ganzen Körper spüren kann und selbst entscheiden kann, wie ich was mache. Dadurch bekomme ich ein gefestigteres Selbstbewusstsein und gute Laune. Außerdem verbinde ich so viele schöne Erinnerungen und Freundschaften mit Fitness. Trotzdem hat Fitness leider auch noch viel mit Zwang zu tun, was meiner Meinung nach nicht dem Sinn des Sports entsprechen sollte????

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