Folge uns auf:

Zwischen meinem 17. und 19. Lebensjahr habe ich über 30kg zugenommen. Ich war in meiner Jugend nie absolut schlank, ich hatte einfach eine normale Figur. Ich hatte zu der Zeit meine 1. große Liebe kennengelernt, war glücklich und zufrieden, habe mein Leben genossen und mich gehen lassen. Am Freitag- und Samstagabend mit Freunden gefeiert, viel Alkohol getrunken und deutlich über die Stränge geschlagen. Sonntags dann natürlich Pizza bestellt und den Kater mit Süßigkeiten bekämpft. Ich hatte eine schöne Zeit und mir war nicht bewusst, dass die Zahl auf der Waage immer weiter angestiegen ist.

Als ich dann von Zuhause ausgezogen bin, habe ich zwischenzeitlich stolze 103 kg auf die Waage gebracht. Gleichzeitig ging meine Beziehung in die Brüche, ich war alleine in einer großen Stadt, ohne meine Familie und Freunde. Es kam die Einsamkeit und damit auch das Unwohlsein. Männer schienen sich nicht für mich zu interessieren, sondern hatten nur Augen für meine schlanken Freundinnen. Das war ein schreckliches Gefühl und ich wurde immer unglücklicher in meiner Haut. Ich begann eine Diät nach der anderen auszuprobieren, aber stets erfolglos. Bis auf ein weiteres Plus auf der Waage hat mir keine Diät geholfen. Dann versuchte ich es mit einer gesunden Ernährung und Sport – aber dieser Versuch brachte keinen Erfolg. Ich war verzweifelt und konnte mir einfach nicht erklären, wieso ich nicht mal 1kg aus eigener Kraft schaffte abzunehmen.

Mit 22 habe ich meinem Frauenarzt mein Herz ausgeschüttet, ihm berichtet wie viele Versuche schon erfolglos verlaufen sind und es wurde ein Insulintest gemacht. Dabei kam heraus, dass ich an Prä-Diabetes leide. Dies wird auch als Insulinresistenz bzw. Vorstufe der Diabetes bezeichnet. Sehr viele Menschen leiden darunter, da es jedoch bis auf Übergewicht kaum weitere Symptome gibt, wird es in 90% der Fällen nicht erkannt und somit auch nicht behandelt. Bei der Prä-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse ununterbrochen Insulin, somit ist der Insulinspiegel konstant hoch im Blut. Der Körper erhält das Signal, dass genug Zucker im Blut ist und geht somit die Fettpölsterchen nicht an, er speichert sogar noch zusätzlich Energie in Form von Fett. Mein Glück war es, dass ich diese Diagnose frühzeitig erhalten habe und mit Hilfe von Medikamenten die den Insulinspiegel regulieren die Erkrankung behandelt werden konnte.

Foto 15.11.15, 14 56 43

Mein Arzt empfahl mir die Low Carb Ernährung, also habe ich begonnen auf jegliche Kohlenhydrate zu verzichten. Gleichzeitig habe ich mich im Fitnessstudio angemeldet und dort 3x wöchentlich meine Stunde auf dem Stepper abgeschwitzt. Binnen einigen Monaten hatte ich schnell 20kg abgenommen. Meine Lebensfreude kam zurück und ich habe mich neu verliebt. Ich esse wenn ich glücklich bin, in Gesellschaft mit Freunden oder meinem Freund genieße ich Pizza, Eis, Chips, Schokolade ohne eine Grenze zu kennen. Zack waren 15 kg wieder drauf.

Im Oktober 2013 habe ich mich dann entschieden, dass sich etwas ändern muss – ich hatte große Vorsätze, aber umgesetzt habe ich davon null. Wenn es im Kopf nicht Klick macht, kann man noch so motiviert sein – man scheitert an den kleinsten Dingen.

Mein Klick-Moment hatte ich Silvester 13/14. Ich war mit meinem Freund essen, hatte wie immer eine weite Bluse an und ein super enges Top darunter, um meine Speckrollen irgendwie zu kaschieren. Am Tisch nebenan saß ein älterer Herr, der in deutlicher Lautstärke zu seiner Partnerin sagte, ich solle doch besser nur Salat essen, weil ich so dick bin. Diese Aussage hat mich so sehr verletzt, dass der Abend für mich gelaufen war und das Jahr nicht schlimmer hätte enden können. Am nächsten Tag las  ich dann überall von guten Vorsätzen und entschied mich, dass 2014 mein Jahr wird. Ich brachte inzwischen wieder ganze 90 kg auf die Waage und ich wollte so nicht mein restliches Leben verbringen. Ich wollte nicht mehr auf Kleidergröße (in Spitzenzeiten) 48 zurück greifen müssen oder beim Tragen einer Kiste Wasser über 3 Etagen ein Sauerstoffzelt benötigen. Außerdem hatte ich Angst, dass mein Freund mich eines Tages für eine schlankere Frau verlassen könnte. Und dann habe ich einfach angefangen mich gesund zu ernähren und regelmäßig Sport zu machen – und nur das ist der Schlüssel zum Erfolg!

Für mich stand nie zur Debatte durch radikale Ernährungsprogramme oder dubiosen Abnehmpillen den Weg zu beschleunigen – ich wollte es ganz alleine aus eigener Kraft schaffen. Auch wenn ich von Kalorien zählen kein Fan bin und weiß, dass das viele Mädels sehr unter Druck setzt habe ich mir trotzdem eine App runtergeladen, um mein Essverhalten zu kontrollieren. Mir war nicht bewusst, dass 250g Nudeln Unmengen an Kalorien haben oder drei helle Brötchen mit Käse schon das halbe Tagesbudget vollmachen. Durch das Zählen der Kalorien konnte ich ein Gefühl für gesunde Ernährung entwickeln und habe gelernt welche Lebensmittel meinem Körper gut tun. Durch das Kalorien zählen habe ich aber auch gleichzeitig gemerkt, dass ich mir nichts verbieten muss. Mal ein Stückchen Schokolade zerstört keinen gesamten Tag und auch ein Teller Spaghetti Bolognese ist vollkommen okay und somit habe ich in langsamen Schritten immer wieder Erfolge auf der Waage feiern können.

Foto 14.11.15, 15 18 42

Dann kam im Sommer 2014 mein großer Rückschlag – fast 4 Monate absoluter Stillstand auf meiner Waage. Ich war absolut verzweifelt und konnte nicht verstechen, wieso jeder andere auf Instagram so schnell so viel abnehmen kann und ich trotz Disziplin einfach auf der Stelle stehen blieb. Ich habe viel geweint und mich gefragt, ob sich all der Stress überhaupt lohnt, ob ich nicht einfach alles hinwerfen soll und mich damit abfinden müsse, dass ich nun mal dick bleibe. Nach unzähligen Arztbesuchen, einer Ernährungsberatung und gefühlten 1000 Tränenausbrüchen hat dann ebenfalls mein Frauenarzt zusätzlich zu der Prä-Diabetes noch eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt. Vermutlich habe ich mir durch die unzähligen Diäten meinen Stoffwechsel selbst zerstört und es dauerte mehrere Wochen bis sich mein Stoffwechsel mithilfe von zusätzlichen Hormonen wieder erholt hat.

Oft habe ich überlegt aufzugeben, aber es kam für mich nicht in Frage. Ich sagte mir: „Lieber arbeite ich nun 10 Jahre an meinem Körper bis ich am Ziel bin und habe dann noch viele Jahre mit einem gesunden Körper in dem ich mich wohl fühle, anstatt jetzt faul zu sein und immer mit diesem Körper auszukommen zu müssen.“

Ich habe mein Ziel nie aus den Augen gelassen und habe gemerkt, dass auch die kleinsten Erfolge sich anfühlen, als würde einem die Welt gehören. Ich habe für mich akzeptiert, dass ich keine 50 kg in einem halben Jahr abnehmen muss und dass eine Pizza am Wochenende oder eine Tafel Schokolade am Mädelsabend mich nicht aus der Bahn werfen. Solange ich am Montag wieder mit Disziplin und Motivation in die neue Woche starte, tun die kleinen Schlemmereien meinem Körper sogar gut. Ich habe dadurch nie mit Heißhungerattacken bzw. Fressattacken zu kämpfen gehabt und ich habe Abnehmen nie mit großem Verzicht in Verbindung gebracht. Dadurch hat mein Weg zwar länger gedauert, aber ich bin damit glücklich. Jetzt knapp 2 Jahre später habe ich mein Ziel erreicht – ich wiege 65 kg (auf 1,62) und bin zufrieden. Klar habe auch ich Problemzonen, die besser sein könnten. Aber niemand ist perfekt und im Vergleich zu früher liebe ich mein neues Ich über alles. Ich habe auf meinem Weg viele Mädels kennen gelernt, die mit Crash-Diäten schnell abgenommen haben – die unglücklich waren, weil sie auf alles verzichten mussten & die heute wieder viele Kilos zugenommen haben und immer noch nicht an ihrem persönlichen Ziel angekommen sind.

Der Weg ist nicht einfach, er ist steinig und lang – aber ich würde ihn jederzeit wieder genauso gehen. Langsam, bedacht, mit ein paar Schritten abseits des Weges aber immer nach Vorne.

Danke liebe Nina (Instagram @ninamarleen) für diesen tollen Beitrag. Wir sind uns sicher, dass er vielen jungen Mädels helfen kann. Wir wünschen dir für deine Zukunft alles Gute! #teambodylove

 

 

 

Dir gefällt dieser Beitrag?

Dir könnte auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

Kommentare zu diesem Beitrag

  • Lara

    geschrieben am 3. Dezember 2015

    Liebe Nina,
    vielen Dank für den tollen Text, du hast eine super Einstellung (ich folge dir auch schon länger auf Instagram) und ich glaube viele Mädels können sich in deinen Erzählungen wieder finden! ????
    Eine kleine Anmerkung zur Schilddrüsenunterfunktion – ich finde es super dass du darauf aufmerksam machst, ich glaube dass viele daran erkrankt sind ohne es zu wissen und es schleichen sich eben mal unbemerkt die Kilos an oder das Abnehmen wird unfassbar frustrierend (ich habe bis es bemerkt wurde trotz gleicher Essgewohnheiten im letzten Jahr auch um die 10 Kilo angehäuft die nur sehr mühsam wieder runtergehen). Allerdings ist es wohl eher falsch sich vorzuwerfen, dass die UF von zu vielen Diäten kommt, im Zweifel ist das eine Erkrankung wie jede andere für die man selbst nichts kann:)
    Liebe Grüße, Lara

    Antworten
  • Anna

    geschrieben am 3. Dezember 2015

    Super schöner Text 🙂 Und du siehst total super aus! Du siehst echt schlank aus und glücklich. Welches Mädchen kennt diese Figurprobleme nicht? ???? Kannst super stolz auf dich sein.

    Antworten
  • Lea

    geschrieben am 3. Dezember 2015

    Ich habe seit fast 6jahren einen Diabetes Typ 1 und vor 2jahren zusätzlich noch eine Schilddrüsen Unterfunktion bekommen. Im Moment kämpf ich damit …. Mit mir klar zukommen (meinem Körper und meiner Psyche) von meinen Eltern durfte ich mir schon anhören das die 15kilo die ich zugenommen habe jetzt doch wirklich mal reichen würden aber egal was ich tue an meinem Körper verändert sich nichts

    Antworten
  • Marie

    geschrieben am 4. Dezember 2015

    Liebe Nina, danke für deinen tollem und erheblichen Text und ich kann dir sagen, auch wenn mich bestimmt einige wieder nicht verstehen und fertig machen, dass es mir andersherum quasi genauso geht! Mein Stoffwechsel ist zu gut und ich muss um jedes Kilo zunehmen kämpfen und es ist genauso schlimm zu hören von Leuten: Schau mal die ist do platt wie ne Flunder oder hat Beine wie Besenstiel und dann ist die suxh noch nur Salat. … Ja weil ich nicht morgens mittags und abends Nudeln und pizza Essen kann… Ich weiß das passt nicht zu meinem Beitrag , ich wollte dir nur zeigen sich Dünnen Mädchen/ Frauen geht es nicht immer so gut wie andere vielleicht denken mögen !;)

    Antworten
  • Jessi

    geschrieben am 4. Dezember 2015

    Hallo Nina,

    eine richtig gut erzählte Geschichte. Hut ab, du bist eine richtige Kämpferin! Lass dich bloß niemals unterkriegen.
    Ich leider an der gleichen Krankheit wie du, ich hab auch eine insulinresistenz. Für mich Ist das der absolute Horror. Ich mache mindestens 4 mal die Woche Sport und esse low carb, und nehme dennoch ganz langsam weiter zu.
    Mit was für Medikamenten wirst Du behandelt? Direkt Insulin?
    Ich würd mich freuen wenn Du mir das verrätst, vielleicht hilft mir das ja weiter.

    Vielen Dank und einen schönen Tag noch!

    Antworten
  • Kathleen

    geschrieben am 4. Dezember 2015

    Deine Geschichte Nina habe ich nun schon länger verfolgt und ich bin einfach nur so beeindruckt, mit welch Disziplin du da ran gegangen bist. Es ist wahrlich nicht einfach, wenn man immer wieder Rückschläge einstecken muss, aber DU hast es geschafft und da kannst du auch einfach nur Stolz auf dich sein.
    Ganz toller Bericht ?

    Liebe Grüße
    Kathleen von http://kathleensdream.blogspot.de/

    Antworten
  • Katharina

    geschrieben am 22. März 2016

    Wahnsinns Text!
    Ich hatte Gänsehaut. Wünsche dir weiterhin viel Erfolg Nina :)!

    Antworten

Letzte Beiträge in Laufen

Letzte Beiträge in Rezepte

Letzte Beiträge in Selbstliebe

Letzte Beiträge in Nachhaltigkeit