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Nackt.

Nackte Haut zu zeigen – egal, ob von Mann oder Frau, hatte schon immer etwas Aufreizendes. Nacktheit gilt in unserer heutigen Gesellschaft entweder als Tabu oder wird vor allem in den Medien sexualisiert. Aber ist nackte Haut wirklich ein so großes Tabu? Ist es entscheidend, wie nackt wir uns in der Öffentlichkeit präsentieren und welche Körpersprache wir gleichzeitig senden? Und dürfen wir uns nackt vollkommen fühlen? Oder sind wir ohne Kleidung sofort die Haushälterin/Haushälter von Nebenan aus einem Pornostreifen? Kann man überhaupt „natürlicher“ Nacktheit sprechen?

Nackt in der Sauna. Nackt im Bett. Nackt vor den besten Freunden. Nackt unter der Dusche. Nackt beim Sex. Nackt während einer Massage. Nackt am Strand. Es gibt viele Situationen, die mich in meinem Leben schon oft dazu bewogen haben, gewisse Minuten nackt zu verbringen. Und bis vor vier Jahren war das für mich ganz normal. Ich dachte nie darüber nach, was meine Mitmenschen über mich denken könnten. Und dann kam mein erster Porno. Ich habe mich nie für Pornos interessiert. Erst vor vier Jahren hatte ich meine erste Erfahrung damit.

Diese Erfahrung lies mich für einige Zeit an meiner Einstellung zu meinem Körper zweifeln. War ich billig? Signalisierte ich in der Sauna oder am Strand den Menschen ein falsches Zeichen, wenn man meinen Po oder meine Brüste sah? Sollte mein nackter Körper wirklich sofort mit sexuellen Vorstellungen fremder Menschen in Berührung kommen? Oder waren es die Medien, die nackte Haut sexualisierten und daraus ein „gebrochenes Tabu“ zauberten?

Es machte mir Angst, aber gleichzeitig war ich wütend. Und dann kam dieses eine Foto. Ich fand es auf Pinterest. Ein Aktfoto von einem Mann und einer Frau. Sinnlich, nackt, abenteuerlich. Es strahlte so viel Selbstbewusstsein aus und ich konnte es nicht mit einer billigen Pornodarstellerin assoziieren. Ich war bei diesem Bild viel mehr überwältigt davon, dass es diese beiden Menschen auf dem Foto schafften, mir ohne Worte zu zeigen, dass sie sich selbst lieben. Und es okay ist, wenn ich das auch tue. Dieses Bild löste so viel Stärke und Überzeugung in mir aus. Es gab mir irgendwie ein neues Lebensgefühl. Ein Gefühl von Vollkommenheit. Ein Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung.

Nackt sein bedeutet für mich seitdem: Leben. Der Mensch ist Mensch. Kleidung eine zweite Hülle. Die Haut, unsere natürliche Hülle. Eine Hülle, die natürlich zu erotischen Vorstellungen einlädt. Aber auch eine Hülle, die so normal ist, dass ich kein besseres Wort als „normal“ dafür finden kann. Nicht billig, nicht eklig – einfach nur ich. Natürlich muss man diese Bilder nicht mit 300.000 Menschen teilen. Ich will es aber. Weil ich euch auch dieses Gefühl von Stärke, Selbstbewusstsein und Selbstliebe weitergeben möchte. Ob mit oder ohne Kleidung. Unsere Gesellschaft sieht manchmal zu viel, um die Bilder zu filtern.

Es kommt also auf den Ausdruck an, den das Bild vermittelt. Und auf die Gefühle. Abschließend möchte ich trotzdem noch darauf hinweisen, dass man sehr sensibel mit Nacktfotos im Internet umgehen sollte. Ich habe mich für diesen sehr offenen Weg entschieden, was nicht bedeuten soll, dass sich alle meine (jungen) Leser ein Beispiel daran nehmen sollen. Ich weiß, dass ich mit diesen Bildern vielen Frauen Mut gebe. Also zieht euch eure Stärke aus diesem Text und lebt euer Leben, so natürlich, wie ihr es für richtig haltet.

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12 Kommentare

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    Michelle
    9. September 2018 at 20:11

    Wow. Ich bin beeindruckt und ziehe den Hut vor dir! Seit ich bei dir solch tolle Bilder gesehen habe, möchte ich auch gerne mal ein Nacktshooting machen. Auch wenn ich keine perfekten Maße habe, ich mag mich und meinen Körper trotzdem 🙏 und das habe ich zu einem großen Teil auch dir zu verdanken 💕🙌🏼 Danke! Und bitte mach weiter dein Ding, du inspirierst mich sehr🙏

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    Steffi
    9. September 2018 at 20:15

    Liebe Lou,

    Ich stimme dir mehr als nur zu!!! Nacktheit strahlt so viel aus – Stärke, Freiheit, Selbstliebe, aber auch Verletzlichkeit. Es zeigt eine andere Seite von uns, als wenn wir Kleidung an uns haben, denn diese setzt für sich selbst erneut ein Zeichen. Ich danke dir, dass du dieses Zeichen setzt! Und ich Danke dir, dass du deinen Weg gehst. Finde ich fantastisch.

    Bis bald
    Steffi

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    Caro
    9. September 2018 at 20:18

    Wow. Großartige Worte zu einem tollen und wichtigen Thema!

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    Julia
    9. September 2018 at 20:42

    Toll geschrieben! 😊

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    Alexandra
    9. September 2018 at 23:28

    Sehr schön geschrieben, ich sehe es genauso wie du. Warum sollte man keine Haut zeigen dürfen? Auf deinen Fotos bei Instagram sieht man nichts schlimmes. Es ist einfach ein Körper, den jeder hat und kennt. Ich verstehe nicht warum darum ein großes Theater gemacht wird, denn jeder hats schon gesehen. Deine Fotos haben auch nichts mit pornografie, sondern mit Natürlichkeit zu tun. Schade, dass das manche nicht unterscheiden können.
    Wir denken darüber nach, was andere über uns denken könnten, weil wir hören wie gelästert wird und das ist sehr schade.

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    Steffen
    10. September 2018 at 7:06

    Erstmal super Beitrag. Hoffe es lesen genug den Beitrag von dir.

    Als Mann ist es auch nicht so leicht nackt zu sein. Auch wir habe teilweise Probleme mit unseren Körper. Nur ist das meist so das die meisten Männer die eine normale Figur haben auch kein Problem haben sich oben ohne zu zeigen. Das sieht bei Frauen meist anders aus. Sie sehen sich selbst viel zu kritisch und sehen an sich viel zu viel Problemzonen, die einen Mann überhaupt nicht stören würden.

    Das größte Problem sind glaube ich die Medien bei dieser Sache. Sie geben uns immer noch ein falsches Bild über unseren Körper. Durch diese werden hauptsächlich junge Menschen, meist Mädchen, beeinflusst. Ich selber habe 3 Nicht im Alter von 15 bis 20 Jahre. In diesen Jahren sieht man stark was diese ein Bild von sich selber haben bzw. von den Mitmenschen um sich herum. Die ist hässlich oder dick. Die andere zieht sich scheiße an. Manchmal denke ich, das es in dem Alter einfach zu sehr auf Äußerlichkeiten ankommt und der Mensch kaum zählt der dahinter steckt.

    Überhaupt bin ich glücklich in einer Zeit erwachsen zu werden wo es so was wie soziale Medien noch nicht gab. Da musste man noch von Angesicht zu Angesicht schlechte Sachen über einen oder direkt einen zu sagen. Jetzt ist man ja ganz schnell mit seiner Meinung im Internet und schreibt was hässliches. Glaube wenn es eine Funktion gäbe die es einen erlaubt was geschriebenes erst am nächsten Tag abzuschicken und es sich nochmal durchlesen muss, das viele das dann auch nicht mehr abschicken würden.

    Das Problem habt ja auch hauptsächlich ihr die in der Öffentlichkeit steht.

    • Lou
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      Lou
      10. September 2018 at 12:20

      Finde es total super, dass sich auch mal ein Mann hier äußert und mitliest! Danke danke danke Steffen 🙂

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    Pia.plzn
    12. September 2018 at 20:41

    Richtig richtig guter Beitrag. Über sowas sollte auch in der Schule geredet werden, nicht immer nur über „Vorsicht mit Nacktfotos“ was mittlerweile ja mal nebenbei erwähnt wird. Soviele Leute, junge Menschen, verbinden mit Nacktheit sofort Sexualität und schämen sich oder finden sich selbst nicht sexy genug. Ich kann dazu nur einen Spruch zitieren den ich selbst auf Insta gelesen habe: „My body becomes sexual when i’m turned on, not when you are.“

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    Doreen
    8. Oktober 2018 at 16:21

    Warum müssen wir drüber nachdenken,ob nackt ok ist.
    Hmmm
    Ich bin 41 jahre,zweifache Mutter…das heißt Dehnungsstreifen…der Unterbauch ausgeleihert von den Schwangerschsften,die 22 und 16 Jahre her sind. Na und….ich nehme ab und wieder zu…bin not perfekt….grösse hängende Brüste…..pffffff…..trage 44 …ja 40 würde ich mich auch wohler finden keine Frage. Aber ich akzeptiere mich so wie ich grade bin. Ich bin doch nicht hässlich oder unsexy…..im Gegenteil……
    Nackt fühle ich mich wohl….schlafe nackt…..gehe in die Sauna….
    Ich kenne meine Eltern nackt….sie sind immer nackt durchvdie Wohnung und FKK war normal.
    Wir sollten lockerer werden….wir kommen nackt und letzendlich gehen wir nackt.
    Woll ich mal los werden.

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    cara
    14. November 2018 at 12:13

    ein toller Beitrag zum Thema Nackt.
    dein Bild dazu ist wunderschön und ich empfinde es als sehr inspirierend und stark.
    was viele glaube ich vergessen – wir werden alle nackt geboren! also ja – nackt sein ist normal! und ok!
    ich selbst finde jedoch billige Nacktheit nicht schön und möchte es nicht unbedingt sehen! wenn manchmal die Werbung im Fernseher läuft von „A*** & E** empfinde ich diese Art von Nacktheit als ziemlich peinlich und find´s auch nicht gut, dass man sowas unbedingt ausstrahlen muss.

    Du setzt mit deinem Beitrag ein positives Zeichen und das finde ich einfach mega!
    Mach weiter so und Danke für so viel Einblick und Offenheit!

    Liebe Grüße Cara

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    Christian
    17. Januar 2019 at 7:04

    Sehr, sehr wahre Worte, die für Männer übrigens ebenso gelten wie für Frauen. Letztlich ist ja „Der/Die ist nackt!“ schon ein merkwürdiger Satz, weil es ja den natürlichen Zustand zu etwas Bemerkenswerten erhebt. Natürlich kann und darf Nacktheit auch erotisch sein, es wäre ja äußerst albern, diesen ja sehr schönen Aspekt von Nacktheit außen vor zu lassen, aber Nacktheit ist es eben nicht von sich aus. Wir alle können, wenn wir wollen, ganz oft nackt sein. Sauna, Strand, klar, aber z.B. eben auch mal an einem warmen Sommertag – derer es ja genug gab im vergangenen Jahr – in der Wohnung, auf dem Balkon, im Garten, mit Partner oder Partnerin und, warum nicht, auch mal mit Freunden. Ich z.B. treff mich einmal in der Woche mit meiner besten Freundin, zum Quatschen, Lachen, Spielen, Kochen, Essen oder was sonst so ansteht, und wenn uns danach ist, tun wir das alles nackt. Ohne Erotik, aber mit ganz viel Wohlfühlen. Das sind dann wir, einfach nur wir. Wir tun das selbstbewusst, trotzdem ist da immer dieser kleine Anflug von Röte im Gesicht, wenn man das jemand anderem erzählt. Schade, das bekommt man nicht so schnell weg. Übrigens glaube ich, dass es unglaublich heilsam für die Seele ist, mal nackt zu sein, wenn man es sonst nicht ist. Es bringt einen wieder etwas näher zu sich und auch zu den anderen, mit denen man vielleicht nackt ist. Es hebt ein wenig Distanz auf, und das ist ab und zu, wenn es gewollt geschieht, gut und wichtig. Um im Rahmen von Konventionen zu bleiben: Ganz nackt geht nicht immer und überall. Barfuß schon. Mach deinen nächsten Ausflug mal barfuß. Geh mal barfuß z.B. durch den Wald. Wir waren letzten Herbst barfuß im Tierpark, hatte emotional eine ganz andere Qualität, und das schreibe ich als jemand, dem jedwede Esoterik reichlich fremd ist. Aber es hat sich frei und geerdet angefühlt und auf eine stark machen Weise kindlich.

    Danke für diesen und viele weitere deiner Beiträge, ich les dich gerne.

    Viele Grüße von Läufer zu Läuferin,
    Christian

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    FrÄnk
    13. März 2019 at 22:04

    Danke Louisa, ich kann deinen Worten zu 100 % zustimmen. Intelligente, freundliche, selbstbewusste Menschen wie dich, dass braucht die Welt im Moment sehr! Und ich erlebe momentan immer mehr junge Menschen wie dich, Das macht mir Mut und Hoffnung für eine bessere Welt, damit es endlich mal besser wird. Lasst uns doch alle menschlicher sein, dann braucht niemand nach Ersatzbefriedigungen suchen, keiner ist einsam, wir Menschen haben dann ja uns. Dann können wir auch Nacktheit leben ohne dabei sexistisch zu sein.
    FrÄnk

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