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Was ist das Fairphone?

Der Wecker klingelt. Im Halbschlaf wird die Snooz-Taste gedrückt – nur noch fünf Minuten. Playlist ausgewählt, um beim Zähneputzen die Müdigkeit der vergangenen Nacht abzuschütteln. Schnell bei Google-Maps nachgeschaut, wie ich heute Abend zum Treffen mit den Mädels komme. Erinnerung erhalten – Morgen, 17 Uhr: Zahnarzttermin. Ein Anruf. Mails checken und eine Sprachnachricht an meine Schwester. Es klingelt erneut. Während der 10-minütigen Bahnfahrt kurz bei Instagram vorbeigeschaut. Ein gemeinsames Foto beim Essen mit den Mädels. Erinnerung abgespeichert. Auf dem Heimweg Kopfhörer auf und die Playlist wieder an. Kurz vor dem Schlafengehen noch über politische Geschehnisse des Tages informieren. Wecker stellen.

Unser Smartphone ist unser täglicher Begleiter. Dabei dient es nicht mehr nur der Kommunikation, sondern ist Navi, Adressbuch, Kalender, Fotoalbum und Animateur zugleich. Die gängigen Modelle, die sich in den meisten unserer Hosentaschen befinden, sehen sich dabei jedoch oft der Kritik gegenüber, dass die Gewinnung der für die Herstellung benötigten Rohstoffe (z.B. Coltan, Cobalt, Zinn) unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen erfolgt und die erwirtschafteten Gewinne die Bürgerkriege in den jeweiligen Abbaugebieten finanzieren.

Zudem steht der Vorwurf im Raum, dass uns unsere Smartphones nur eine kurze – im Vorfeld durch den Hersteller festgesetzte –  Zeit begleiten sollen, um dann von ihren Nachfolgermodellen abgelöst zu werden. Das Leben eines gängigen Akkus ist begrenzt und der eigenständige Austausch bei den neusten Modellen kaum noch möglich. Die Kosten für eine Reparatur sind hoch. Lohnt sich das noch? Dann doch lieber ein bisschen mehr investieren, um die neuste Innovation in den Händen halten zu können. Eine sozialverträgliche Herstellung und der Nachhaltigkeitsgedanke müssen Platz machen für Innovationen und gewinnorientiertes Wirtschaften.

Doch gibt es Alternativen?

Ein Unternehmen sorgt seit 2013 für Aufmerksamkeit. Anders als seine Konkurrenten versucht es dabei nicht mit der besten Kamera, dem größten Bildschirm oder dem schnellsten Prozessor aufzutrumpfen. Schlagzeilen macht das Unternehmen hingegen mit dem, was sich bereits in seinem Namen versteckt: Fairphone.

Das Unternehmen „Fairphone B.V.“ mit Sitz in Amsterdam entwickelt seit 2013 Smartphones mit dem Ziel diese unter fairen Bedingungen herzustellen. Dabei geht es dem Unternehmen nicht nur darum, auf die Missstände der derzeitigen Rohstoffgewinnung aufmerksam zu machen und diese zu verbessern, sondern auch darum, in Sachen Nachhaltigkeit neue Wege zu beschreiten.

Entstanden ist das Unternehmen aus einem gemeinnützigen Projekt mit dem Namen „Waag Society“. Bis heute hat es 3 verschiedene Smartphone-Modelle auf den Markt gebracht. Produziert werden die Geräte in China. Dabei stehen für das Unternehmen – nach eigenen Angaben – Mensch und Umwelt im Fokus. Durch die Vermeidung von Müll, die Verwendung konfliktfreier Rohstoffe und fairen Produktionsbedingungen versucht sich das Unternehmen von seinen Konkurrenten abzusetzen.

Was die Gewinnung der Rohstoffe angeht, versucht das Unternehmen stetig diese verantwortungsbewusster zu gestalten. Dabei gelingt dies jedoch nicht in Bezug auf alle Rohstoffe, was zu der Kritik führt, dass sich das Fairphone in Hinblick auf seine Rohstoffe kaum von anderen Geräten unterscheiden würde. Derzeit werden die Rohstoffe Zinn, Tantal und Wolfram konfliktfrei gefördert und Gold bereits auf Fairtrade-Niveau abgebaut. Dabei wird jedoch auch hier kritisiert, dass der Begriff „konfliktfrei“ lediglich eine Aussage darüber trifft, dass keine militärische Partei an der die Gewinnung eines Rohstoffes verdient. Eine Aussage über die jeweiligen Arbeitsbedingungen vermag dieser Begriff jedoch nicht zu treffen. So kann z.B. nicht ausgeschlossen werden, dass die Rohstoffe unter Einsatz von Kinderarbeit gewonnen werden. Bei all der berechtigten Kritik wird jedoch verkannt, dass das Unternehmen zu keiner Zeit damit geworben hat, ein Smartphone anzubieten, das zu 100% aus fairen Rohstoffen besteht. Vielmehr hat sich das Unternehmen das Ziel gesetzt, die Gewinnung der Rohstoffe stetig verantwortungsbewusster zu gestalten und dadurch auf die Missstände der derzeitigen Situation aufmerksam zu machen.

Was macht das Fair Phone zu etwas Besonderem?

Auch in Sachen Arbeitsbedingungen an den Produktionsstätten in China versucht das Unternehmen seiner sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Mit Hilfe von NGOs, Expertengruppen und eigenen Compliance-Vorschriften steht es im Dialog mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Um Müll zu vermeiden setzt das Unternehmen unter anderem auf eine längere Lebensdauer seiner Geräte. Kunden können durch den modularen Aufbau der Smartphones, den zur Verfügung gestellten Ersatzteilen und Tutorials ihre Geräte selbständig reparieren. Aber auch durch ein eigenes Recycling-Programm versucht das Unternehmen der aufkommenden Flut an Elektroschrott entgegenzuwirken. So zahlt das Unternehmen für kaputte Fremdgeräte 20 € und bei Rückgabe der eigenen Smartphones 40 € an seine Kunden, um die erhaltenen Geräte auseinander zu bauen, Materialien wiederzuverwenden und nicht mehr verwendbare Teile ordnungsgemäß zu entsorgen. Aber auch in Sachen Software setzt das Unternehmen auf die Mithilfe seiner Kunden und externer Entwickler, indem es eine Mitarbeit anhand des Open-Source-Prinzips ermöglicht. Dadurch soll dem Fairphone nicht nur in Sachen Hardware ein langes Leben ermöglicht werden.

Dabei muss man zugeben, dass das Fairphone in Sachen Innovation und Technik nicht mit seinen Konkurrenten mithalten kann. Wenn ihr euch mal über die technischen Daten des Fairphones im Vergleich zu anderen Smartphones informieren möchtet, dann schaut doch bei Utopia vorbei. Vodafone hat übrigens das Fair Phone 3 in ihr Sortiment mit aufgenommen.

Fazit:  Das Fairphone ist  – trotz der berechtigten Kritik – ein Schritt in die richtige Richtung ist. Wir können unsere Welt nicht von heute auf morgen verändern. Aber wir können heute damit anfangen.

Und wie können wir unsere Smartphones nachhaltiger nutzen?

Jährlich werden weltweit etwa 1,4 Milliarden Smartphones hergestellt. Im Durchschnitt werden sie aber bereits nach 2 Jahren wieder weggeworfen. Oft werden sie aber nicht weggeworfen, weil sie nicht mehr funktionieren. Vielmehr spielen neue Designs und noch bessere Kameras eine große Rolle, wenn es dadrum geht, sich ein neues Handy auszusuchen. Bei der Anschaffung eines neuen Smartphones spielt der Umweltgedanke allerdings nur selten eine Rolle. Tonnen von Rohmaterial, hunderte Stunden Arbeitszeit und riesige Mengen an Energie sind für die Herstellung notwendig. Wusstest ihr, dass alleine für die Herstellung eines Mikrochips, circa 35 Liter Wasser benötigt werden? Was tun, um sein Smartphone nachhaltiger zu nutzen?

  1. Um das Smartphone so lange wie möglich zu benutzen, sollte man von Anfang an präventiv mit einem Glasschutz und einer Handyhülle arbeiten, damit man kein böses Erwachen hat, wenn einem das Smartphone aus der Hand fällt.
  2. Wenn ihr das Gefühl habt, dass euer Smartphone kaputt ist, könnt ihr im Internet recherchieren, ob auch andere Smartphone Besitzer über die selben Probleme geschrieben haben und besucht anschließend die Website https://www.ifixit.com/.
  3. Ihr benötigt ein neues Handy? Wie wäre es mit einem generalüberholten Smartphone von www.rebuy.de?Übrigens: neuwertige Geräte sind deutlich billiger als Neugeräte.
  4. Achtet bei der Entsorgung eurer alten Smartphones auf die richtige Entsorgung. Ein Handy gehört nicht in den Restmüll. Erkundigt euch bei eurer städtischen Abfallwirtschaft oder eurem Smartphone Dienstleister.

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