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Magersucht- Sophia berichtet über ihre schlimmste Zeit

Drei Uhr Nachts. Krampf. In der linken Wade. Ich massiere den schmerzenden Muskel. Ich liege ohne Decke im Bett, mein Fenster ist weit geöffnet. Draußen schneit es. Mein Zimmer ist eiskalt. Ich zittere. Nicht zudecken, nicht zudecken. Frieren verbrennt Kalorien. Ich schau auf die Uhr, in vier Stunden gibt es Frühstück. Wenn ich kann, esse ich nichts. Wenn meine Eltern mich zwingen, esse ich eine halbe Mandarine, 25 Kilokalorien . Ich versuche zu schlafen. Ich muss aufstehen, es ist sieben Uhr, alles dreht sich. Ich umklammere die Hühnerleiter meines Hochbetts. Mein Kreislauf, mal wieder. Ich stehe im Bad, wiege mich, 46 Kilo bei 173 cm Körpergröße. Das ist ein BMI von 15,3. 200 Gramm abgenommen seit gestern, nur. Ich mache 50 Hampelmänner bevor ich Zähne putze. Es sind -2° Grad draußen, ich ziehe eine dünne Leggins an und ein Top. Frieren verbrennt Kalorien. Im Zug stehe ich, tripple auf der Stelle, bewege meine Finger. Bewegen. Hauptsache Bewegen, verbrennt Kalorien.

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In der Schule zapple ich mit den Füßen, stehe drei bis vier mal im Unterricht auf. Gehe zum Müll. Zum Regal. Wieder zurück. Bewegen, solange die anderen sitzen. Kalorien verbrennen. Ich blicke an mir herunter, mein Bauch rollt sich in drei große Speckrollen, meine Beine füllen den ganzen Stuhl aus, meine Finger bilden 10 große Weißwürste. Ich hasse mich. Mein Blick fällt auf die Uhr. Elf Uhr, in zwei Stunden gibt es Mittagessen. Nichts essen, kann ich mir nicht leisten. 0 Kilokalorien. Ich esse nichts. Mein bester Freund schaut mich an, verzieht das Gesicht. „Sophia“ sagt er, „Sophia ich hab dir schon so oft gesagt hör auf damit, du siehst aus wie ein Skelett“. Ich lache. Was meint er? Schulschluss.

Ich renne zum Bahnhof anstatt den Bus zu nehmen. Kalorien verbrennen. Im Zug stehe ich und laufe zwei mal die Wagons ab, um Kalorien zu verbrennen. Ich renne vom Bahnhof nach Hause. Bevor ich die Tür auf schließen kann, muss ich mich festhalten alles dreht sich. Mein Herz rast. Ich gehe in mein Zimmer, dokumentiere meine Kalorien zufuhr, 0 Kilokalorien heute. Ich mache mein Bauchmuskeltraining auf meinem Zimmerboden. 30 Minuten Power. Ich springe auf, um nicht länger zu sitzen. Sitzen verbrennt keine Kalorien. Ich mache noch 50 Hampelmänner und 20 Kniebeugen. Dann gehe ich raus und springe Seil. 100 Seilsprünge. Ich trinke 1 Liter Wasser. Mein dritter Liter heute. Kurbelt den Stoffwechsel an. Alles verschwimmt vor meinen Augen. Ich bin müde. Ich zittere.

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Als mein Papa nach Hause kommt, mache ich mich fertig zum Laufen gehen. Wir laufen in einer Laufgruppe. Es ist sechs Uhr. 10 Kilometer. Ich laufe los, mit der schnellen Gruppe. Meine Knie zittern. Ich renne. Mache Intervalltraining. Eine Stunde, 6 Minuten. Schlechter als das letzte Mal. Ich weine fast. Warum bin ich nur so langsam? Als wir anhalten, dreht sich alles, die Stimmen der anderen werden leiser. Plötzlich schlägt mir jemand auf den Rücken, mein Papa. Ich bin wieder da. Ich sage meinen Eltern das ich Migräne habe und deswegen nichts essen kann. Ich gehe ins Bett. 0 Kilokalorien gegessen. 500 Kalorien verbrannt.

Am 2. November. 2014 werde ich ins Krankenhaus eingewiesen. Mein Herz schlägt nur noch 23 mal pro Minute. Um meine Herzbeutel hat sich Wasser gesammelt. Ich befinde mich im lebensgefährlichen Untergewicht. In der ersten Nacht im Krankenhaus, wecken mich die Krankenschwestern, ich habe fast nicht mehr geatmet. Ich soll mich hin setzten, kurz aufstehen um den Kreislauf in Schwung zu bekommen. Ich bekomme ausschließlich künstliche Nahrung. Darf keine Treppen steigen, darf nur liegen. Als ich nach zwei Wochen entlassen werde, ist mein einziges Ziel: abnehmen.

Als ich das zweite Mal eingewiesen werde, wiege ich nur noch 45 Kilo. Nach der Entlassung gehe ich nach Prien am Chiemsee, in eine Klinik die sich auf Essstörung spezialisiert hat. Dort bin ich 10 Wochen. Als ich entlassen werde habe ich eine BMI von 18,5. Normalgewicht. Ich esse drei bis vier Mahlzeiten am Tag, esse 2000 Kilokalorien. Trotzdem wiege ich mein Essen ab, muss jeden Tag auf die Waage steigen. Im Februar 2015 wurde ich entlassen und im August 2015 wog ich wieder 47 Kilo. Ich lief den Münchener Stadtlauf mit. Zwang mich zum Sport. Meine Ärztin drohte mir damit, mich in die geschlossene Psychiatrie einzuweisen. Natürlich hatte ich Angst, aber wenn ich schon eingewiesen werden sollte, dann erst mit meinem niedrigesten Gewicht überhaupt. Ich hatte Depressionen, ich hasste mich selbst. Ich wollte dass alles aufhörte.

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Irgendwann machte es klick. Ich wollte nicht mein ganzes Leben verzichten. Nicht auf Schokolade, nicht auf Eis. Nicht auf Nudeln oder Reis. Ich wollte alles dürfen. Butter, Käse, Brot, alles was schmeckt. Ich wollte wieder ins Restaurant gehen. Ich wollte wieder lachen. Ich wollte glücklich sein. Alkohol trinken. Ich wollte Sport machen wenn ich Lust hatte. Ich war so genervt von mir und der Magersucht, dass ich nicht mehr Leben wollte. Und zwar nicht Leben mit der Magersucht. Also musste einer von uns beiden gehen, die Magersucht oder ich. Ich entschied mich dafür das die Magersucht gehen sollte. Denn ich wollte Leben. Ich wollte Liebe. Ich wollte Essen. Ich aß. Alles ohne Limit. Ohne Verbote. Ich aß solange bis der Anorexie schlecht war.

Vorher wusste ich nicht was eine Magersucht ist. Man ist zu dünn und isst nicht. Aber die Stimme im Kopf, der zwanghafte Sport, das frieren, Kalorien zählen, wiegen, Essen verweigern. Davon hatte ich nichts geahnt und das tun auch viele junge Mädels nicht. Ich würde sagen 90 % an meiner Schule haben keine Ahnung, was die Magersucht eigentlich genau ist. Als ich nach 10 Wochen Klinik zurück in die Schule kam, wurde ich erst mal argwöhnisch betrachtet, keiner redete mit mir. Die ist krank. Und das obwohl alle Mädels in der Pubertät sich mit Diäten beschäftigen. Ein anderes Mädchen hat Bulimie, und sie redeten über sie, als ob sie blöd wäre als ob sie dumm ist und in die geschlossene Psychiatrie gehört, weil sie krank im Kopf ist. Weil sie ein Psycho ist wie aus den Horror Filmen. Das macht mich traurig und wütend. Magersucht ist eine tödliche Krankheit, es ist traurig dass so viel damit angeben und sich mit der Krankheit schmücken und sagen sie hätten eine Essstörung, weil sie Aufmerksamkeit haben möchte. Diese Krankheit ist viel zu ernst um damit Scherzen. Ich musste es am eigenen Leib erfahren und möchte alle davor bewahren solch eine Krankheit zu haben. Nur 10 von 100 Magersüchtigen schaffen es die Krankheit hinter sich zu lassen. Nur 10 von 100. Ich habe in all den Kliniken so viele gesehen die Rückfälle hatten. Die schon 10 Jahre mit einer Essstörung kämpfen. Deshalb seit Dankbar und Glücklich wenn ihr Gesund seid, egal ob ihr Falten Narben oder Markel habt. Egal, ob ihr 90-60-90 wiegt oder statt einer XS eine Kleidergröße M oder L tragt. Akzeptiert euch so wie ihr seid.

Ein riesen Dankeschön an Sophia. Deine ehrlichen Worte können vielen jungen Mädels helfen. Du bist eine ganz tolle und starke Persönlichkeit. Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die so offen mit diesem Thema umgehen. #antidiätlover

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57 Kommentare

  • Avatar
    Chiara
    13. Oktober 2015 at 11:43

    Wow! Einfach wow.
    Die wenigsten Menschen sprechen darüber und falls es mal dazu kommt ist es dummes Gelaber.
    Mal die Geschichte eines anderes Mädchens zu hören, der es genau so ging wie einem selbst berührt mich echt.
    Ein riesengroßes Dankeschön an Sophia und natürlich an dich liebe Lou. Weiter so!??

    • fit_trio
      fit_trio
      13. Oktober 2015 at 11:46

      Danke Chiara. Ich bin mir sicher, dass Sophia sich über deine Worte freut und ich mich sowieso 🙂

    • Avatar
      Edith
      17. Oktober 2015 at 15:16

      Es ist grausam was sich manchmal im Kopf abspielt und man kann es nicht kontrollieren
      Ich wünsche allen und auch mir die unzufrieden sind, daß man sich nicht schlecht machen soll.
      Man soll sich lieben und ernstnehmen. Das Leben ist zu schade um ständig zu weinen und sich zu kritisieren. Danke für deine Offenheit!

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    Sarah
    13. Oktober 2015 at 11:48

    Ich bin berührt bei den ehrlichen Worten! Ich selbst habe zwar nicht unter einer Essstörung gelitten, aber deine Worte, Sophia, geben einen Einblick und lassen einen nachdenken, darüber, ob dieser Fitnesswahn und Abnehmwahn nicht viel größere Probleme mit sich bringt, als man am Anfang denkt!
    Vielen Dank für diese Worte!
    Und sei stolz auf dich, dass du da rausgekommen bist!
    Liebe Grüße,
    Sarah

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    Lisa
    13. Oktober 2015 at 11:51

    Sophia, ich hab echt Respekt davor, dass du deine Geschichte hier veröffentlichst! Ich glaube damit hilfst du echt vielen Menschen! Du bist echt richtig Stark, mach weiter so! Ich wünsche dir alles Gute und bleib weiterhin so stark!

  • Avatar
    IsaNoemi
    13. Oktober 2015 at 11:52

    Mein allergrößten Respekt an dich! Du kannst stolz auf dich sein, dass du dich für dein Leben und nicht für die Magersucht entschieden hast! Ganz viel Respekt!

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    Fithealthyfoodgirl
    13. Oktober 2015 at 11:52

    Toller Blogeintrag! Und ganz viel Respekt für diese Ehrlichkeit. Einfach nur Top!

  • Avatar
    Julie
    13. Oktober 2015 at 11:57

    Wow, sehr berührend. Ich weiss garnicht was ich dazu sagen soll..
    Danke liebe Sophia das du deine Geschichte mit uns geteilt hast! Ich wünsche allen die mit diesem Thema zu kämpfen haben sehr viel Stärke und wünsche euch das ihr bald auf dem Weg der Besserung seid.. das Leben ist zu wertvoll um sich sein ganzes Leben mit solchen Themen beschäftigen zu „müssen“.
    Liebe Lou, danke das du es ermöglichst das solch tolle und vorallem starke Menschen ihre Geschichte mit uns teilen dürfen!

    Liebe Grüße
    Julie

  • Avatar
    Franzi
    13. Oktober 2015 at 12:08

    Habe den Artikel auf der Arbeit gelesen.. Ich hatte Tränen in den Augen! Danke für diesen Artikel, einfach ehrlich geschrieben. Ich hatte selber große Probleme mit meinem Körper, aber da merkt man das seine Probleme sehr klein sind gegen Magersucht.

    Ich hoffe Du schaffst es weiterhin zu kämpfen!

  • Avatar
    Zoey
    13. Oktober 2015 at 12:10

    Liebe Sophia!
    Vielen Dank für diese ehrlichen Worte, ich habe beim Lesen schreckliche Gänsehaut bekommen. Gänsehaut, weil ich mitfühlen konnte und Gänsehaut, weil deine Worte so wahr sind!
    Es muss klick machen, denn es ist genau dieses „Klick“, was die Rettung sein kann. Der Kampf ist schwer und dauert lange, aber nichts ist schöner als unbeschwert das Leben genießen zu können! Einfach mal Essen gehen, ohne sich Gedanken über das Gewicht am nächsten Morgen, den möglicherweise „dicken“ Bauch – mal mit Freunden etwas Trinken können oder einfach Schokolade zum Fernsehen essen.
    Vielen Dank Sophia, dass du deine Geschichte so mit uns teilst!!

    Liebe Grüße,
    Steffi

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    Leonie
    13. Oktober 2015 at 12:10

    Dieser Beitrag hat mir Tränen in die Augen gebracht. Eine berührende und wichtige Geschichte. Mein vollster Respekt gilt Dir, liebe Sofia, ein solch bewegende Geschichte zu veröffentlich und hinter diesem Thema zu stehen. Denn es ist wichtig, dass starke Mädchen, wie Du es bist, von dieser Krankheit erzählen und anderen damit die Augen öffnen.

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    Helena
    13. Oktober 2015 at 12:15

    Von mir auch allergrößten Respekt! Ich habe echt Gänsehaut bekommen, als ich den Artikel gelesen habe! Ich kann nachvollziehen wie du dich gefühlt haben musst, weil ich eine Zeit lang ähnliche Gedanken hatte. Durch deinen Artikel bekommen nun auch Außenstehende einen Einblick, wie sich jemand mit Essstörungen fühlt. Ich hoffe, dass jetzt genug Mädels gewarnt sind, erst gar nicht in diesen Teufelskreis reinzukommen! Mich freut es auf jeden Fall, dass du es geschafft hast daraus zu kommen!

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    Anne
    13. Oktober 2015 at 12:21

    Liebe Sophia, danke für das Erzählen deiner Geschichte. Ich muss gestehen, ich hatte das Gefühl, beim Lesen die ganze Zeit die Luft angehalten zu haben. Ich war sprachlos danach und habe erst einmal ein paar Minuten gebraucht, um mich zu sammeln. Diese Gedankengänge… Es will nicht in meinen Kopf rein. Das ist Wahnsinn. Riesigen Respekt, dass du es da raus geschafft hast und jetzt anderen Mädels zeigst, was Magersucht wirklich ist. Ich hatte es selbst noch nie, aber zb die Schwester meines Freundes. Sie wurde von ihrem Ex-Freund in die Magersucht gedrängt.
    Hut ab für deinen Mut und danke für deinen Beitrag ?
    Und natürlich danke an Lou für die tolle Idee 🙂 ich hoffe, das lesen wenigstens auch nur ein paar Betroffene!

    Liebe Grüße
    Anne

  • Avatar
    Anne
    13. Oktober 2015 at 12:23

    Wow! Wahnsinnig mutig und meinen Respekt, dass du das so öffentlich erzählst. Starke Persönlichkeit, mach weiter so:-)

  • Avatar
    lina peters
    13. Oktober 2015 at 12:24

    Ich bin sehr berührt, habe zwar schon vorher viel von diesem Thema gewusst aber so etwas zu lesen geht mir immer wieder sehr nah. Respekt.

  • Avatar
    Sofie
    13. Oktober 2015 at 12:24

    Wow und was für ein Klick, dass es noch rechtzeitig klick gemacht hat. Die wenigsten schaffen das ja leider, weil die Krankheit so schwer zu bekämpfen ist. Schön zu lesen, dass es ihr wieder besser geht!

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    Jacky
    13. Oktober 2015 at 12:25

    Großen Respekt an dich! So stark, dass du uns daran hat teilhaben lassen was du durchgemacht hast. Und ich finde es ist so wundervoll und mitfühlend geschrieben! Ich drücke dir die Daumen und denke an dich, dass es dir gut geht und du weiterhin das Leben genießen möchtest.

    Ich hoffe auch ganz viele Mädels lesen das und bekommen Mut und entdecken vielleicht auch dank dir wieder den Sinn des Lebens.
    Danke dir!
    Jacky/@schakkx

  • Avatar
    Leni
    13. Oktober 2015 at 12:47

    Sophia – Deine Geschichte ist so bewegend und mitreißend, dass mit fast die Tränen gekommen sind .. Obwohl ich Dich nicht kenne, bin ich ganz unglaublich stolz auf Dich! Es ist wunderbar, dass Du es geschafft hast!! 🙂
    Ich hoffe, dass Deine Geschichte und Deine Worte so viele Menschen erreichen, wie es nur geht – denn von Dir und deinem Ehrgeiz können sich viiiele noch eine große Scheibe abschneiden!

    Tolle Idee, auch solche drastischen Geschichten an die Öffentlichkeit zu bringen. Es solche mehr so Blogs oder Instagram Accounts wie den von Fit Trio geben!

    Eure Lena! 🙂

  • Avatar
    Anonym
    13. Oktober 2015 at 12:51

    Deine Geschichte erinnert mich so sehr an mich selbst…ich hungerte mich innerhalb eines Monats auf 39kg bei 170cm ab. Wurde dann auch ins Krankenhaus direkt eingewiesen, war dort aber nur 1 Woche, wurde dort natürlich gezwungen wieder mit dem Essen anzufangen. Wurde entlassen – ohne Zunahme, aber in der Klinik dort (hatte auch einen sehr schlechten Ruf) war kein Platz mehr frei. Und ich wollte/will auf gar keinen Fall in eine Klinik. Ich nahm zu Hause zu – um nicht in die Klinik zu müssen wieder bis ins Normalgewicht, was ich Anfang dieses Jahres erreichte. Anfangs wog ich auch alles ab, aß keine Kohlenhydrate, war psychisch extrem labil. Lernte immer mehr über Ernährung. So viel, viel zu viel. So dass ich ein schlechtes Gewissen bekam, wenn ich mal etwas Ungesundes aß. Ende 2014 nahm ich das Meiste zu, innerhalb von ca. 2 Monaten. Ich wollte endlich gesund werden, versuchte mir weniger zu verbieten, aß auch wirklich mehr. Aber nur ca. 2000-2500kcal. Die 8 Monate davor hatte ich einfach immer nur mal 1kg zu- und dann wieder abgenommen. Befand mich immer nur um die 40kg. Sobald ich das Normalgewicht erreichte ging es mir psychisch teilweise noch schlechter: meine Zwänge zum gesunden Essen verstärkten sich. Ich lernte immer mehr über Ernährung. Meine Angst wurde immer größer, dass ich noch mehr zunehmen könnte. Irgendwann aß ich dann nichts „Ungesundes“ mehr, bekam panische Angst davor. Außerdem hatte ich bereits im Untergewicht gelesen, dass man um die „Schäden“ im Körper und Kopf zu reparieren min. 3000kcal essen muss…damit man dann auch wieder einen normalen Stoffwechsel hat. Ich bin mir sicher, dass da etwas dran ist. Ich dachte, ich habe alles falsch gemacht. Hätte mich am liebsten wieder runtergehungert um dann mit den 3000kcal zunehmen zu können und danach mehr essen zu können ohne zuzunehmen und einen gesünderen Körper und Geist zu haben. Das ging natürlich nicht und das wusste ich auch. Habe ja auch immer noch Eltern, die auf mich aufpassen. Depressionen habe ich sowieso schon.

    Wie geht es mir jetzt?!
    Ich habe immer noch eine zwanghaft gesunde Ernährung – auch immer noch Normalgewicht. Panische Angst vor einer weiteren Zunahme und noch mehr Angst vor Klinik. Der Krankenhausaufenthalt war nämlich so ziemlich die schlimmste Woche in meinem Leben. Ich versuche mir jetzt 1x pro Woche etwas ungesundes zu gönnen. Momentan gehe ich nicht zur Schule, schaffe das einfach nicht mit den Depressionen. Die Familiensituation ist auch sehr schwer. Meine Eltern können nicht mehr. Sie wollen mich in eine Klinik einweisen, damit ich den Rest der Magersucht los werde. Ich finde das so schlimm – ich habe es bis hierhin geschafft, zu Hause zugenommmen usw. und jetzt soll ich in eine Klinik, wo ich gerade Fortschritte mache. Wir versuchen es gerade mit einer neuen Schule, dass ist meine letzte Chance die Klinik zu umgehen.

    Ich will zu Hause kämpfen, ich habe gerade den Willen gesund zu werden.

    Glaubt mir: man kann nicht damit „angeben“ eine Essstörung zu haben…es ist ganz sicher nichts, was in irgendeiner Weise schön ist.
    Seitdem ist mein Leben einfach nur noch furchtbar.
    Ich wünsche NIEMANDEM, dass es ihm so geht wie mir.

    • Avatar
      Chiara
      30. April 2016 at 15:07

      @anonym
      Ich find es unglaublich, dass du hier so etwas schreibst! Unglaublich toll. Du musst unglaublich stark sein. All diese kleinen und großen schritte die du gemacht hast. Ich bin mir sicher dass es nicht leicht ist aber ich find es so schön, dass du dein leben in die hand genommen hast und auch wirklich wieder normal essen lernen willst. Es ist so schön zu sehen, dass es Menschen gibt die zwar in so einen ‚Teufelskreislauf‘ hin ein geraten, die es aber dann auch schaffen da gegen an zu kämpfen. Meinen aller grösten Respekt und ganz viel Kraft für deinen weiteren Weg ?

  • Avatar
    Kim
    13. Oktober 2015 at 12:56

    „Ich aß, bis der Anorexie schlecht war.“ Ein bedrückender Satz, aber so wahr. Danke, Sophia, für deinen Mut, deine Geschichte zu teilen! Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft!

  • Avatar
    Julia
    13. Oktober 2015 at 13:01

    Wow…mir fehlen die Worte… der Artikel ist so berührend, mir kommen die Tränen.

    Danke Sophia für diesen Wahnsinns Artikel, meinen allerhöchsten Respekt das du (bzw. Fittrio) ihn veröffentlich hast und somit hoffentlich noch ein paar wach gerüttelt werden…mach weiter so und sei stolz auf Dich!

    Danke danke danke – auch an Louisa das ihr dieses schwere Thema immer wieder aufgreift

    Liebe Grüße
    Julia

  • Avatar
    Anna-Lena
    13. Oktober 2015 at 13:03

    Ich hatte selber mit der Krankheit zu kämpfen und war genauso wie Sophia in eine Klinik. Und muss sagen dieser Eintrag sollten einige Menschen lesen und einen nicht komisch beeugen. Seit dieser Zeit bin ich der Ansicht KEINE DIäT dee Welt, kein gar nichts kann einen diese Lebensfreude geben als Essen. Essen so wie dein Körper es will nicht die Mode oder irgendwer anders. Jeder muss egal ob groß oder klein. Ganz einfach „nur“ sich selbst lieben! Das ist der Schlüssel! Danke für dieses tollen Beitrag und das ihr die Augen nicht vor der Realität verschließt!

  • Avatar
    Steffi
    13. Oktober 2015 at 13:03

    Wow, mein Respekt. Ich hoffe du bleibst auf deinem jetzigen Weg mit einer gesunden, positiven Einstellung zum Essen. Ich habe jetzt einen 08/15 Beitrag über Magersucht erwartet und wurde doch überrascht. Danke für den realen, authentischen Bericht. Es ist sehr schwer vorzustellen, was jemandem mit Magersucht durch den Kopf geht und dann traurig zu lesen, was es für ein Wahnsinn mit einem anstellt 🙁

  • Avatar
    Sophia
    13. Oktober 2015 at 13:11

    Hallo Lou,
    Danke das du meinem Beitrag gepostet hast;) ich bin völlig überwältigt von den ganzen Reaktionen????
    Liebe Grüße
    Sophia

    • Avatar
      Nessi
      13. Oktober 2015 at 14:13

      Einfach nur wow: es ist als ob dieser Text von mir stammt und ich bin so froh das dieser veröffentlicht wurde. Es ist einer der schlimmsten Krankheiten die man sich selbst antun kann! Deswegen möchte ich alle warnen erst gar nicht mit Diäten oder dergleichen anzufangen. Es geht so schnell! Ohne es zu bemerken steckt man mitten in der Magersucht und da raus zu kommen ist ein langer Weg. Ein langer Weg der sich jedoch lohnt. Am Ende ist man so stolz auf sich das man es geschafft hat. Jede Träne lohnt sich. Das Leben hat einen wieder!!!

  • Avatar
    No
    13. Oktober 2015 at 15:58

    Ein sehr bewegender Bericht. Ich habe auch eine Freundin, die an Magersucht leidet, wir gehen trotzdem durch dick und dünn und stehen immer hinter ihr, egal was kommt. Alles dass, was du in dem Bericht erwähnt hast, haben wir mit ihr auch schon erlebt. Danke, dass endlich mal jemand traut, dass laut auszusprechen und nicht um den heißen Brei herum zu reden 🙂

  • Avatar
    Michaela
    13. Oktober 2015 at 16:45

    Wow! Danke! Ich hatte Trännen in den Augen und dachte an meine Gefühle in dieser Zeit!
    Danke für diesen Beitrag… Sehr ehrlich!
    Ich wünsche Dir alles guete und keine Zwänge mehr!

  • Avatar
    Jana
    13. Oktober 2015 at 17:47

    Es freut mich, dass du es geschafft hast!
    Ich für meinen Teil kann dazu sagen, dass ich seit drei Jahren mit Anorexie lebe und glaube dass sie immer einen Platz in meinem Leben haben wird. Leider ist sie der einzige Halt, den ich habe und das einzige in dem ich „gut“ bin. Das hört sich alles wahrscheinlich echt krank an und ich wäre wohl in einer Klinik am besten aufgehoben. Aber um als magersüchtig eingewiesen zu werden sollte man ja dünn sein und ich bin das nunmal nicht. Ich stehe dazu, dass ich Anorexie habe. Ich stehe dazu, dass ich krank bin und im Moment nicht geheilt werden will. Ich selbst fühle mich nicht krank sondern so stark wie noch nie

  • Avatar
    Nadine
    13. Oktober 2015 at 17:52

    Wow! Ich bin sprachlos. Vielen Dank für diese Geschichte. Ich hatte sogar Tränen in den Augen da ich es einfach so unheimlich traurig finde, wenn so junge Menschen an einer Essstörung leiden. Ich hatte auch 2014 mit einer ES zu kämpfen.. Deshalb bin ich auch sehr stolz, dass Sophia den richtigen Weg gefunden hat.
    Danke für diesen tollen und ehrlichen Beitrag. Und danke auch an dich Lou, dass du diese Geschichte veröffentlicht hast. 🙂

  • Avatar
    Laura
    13. Oktober 2015 at 18:04

    Das geht unter die Haut. Sophia beschreibt das so eindrucksvoll – erschreckende Einblicke, die man in diese Krankheit erhält. Schön, dass sie es aus dieser Hölle geschafft hat!

  • Avatar
    Corinna
    13. Oktober 2015 at 18:42

    Mir kommen die Tränen! Es ist super ergreifend geschrieben und Sophia gebührt mein vollster Respekt! Es gehört viel dazu so offen und ehrlich darüber zu sprechen. Sei stolz auf das, was du geschafft hast und danke das du deine Geschichte ein wenig mit uns geteilt hast, denn es gibt leider noch zu viele da draußen, bei denen es Klick machen muss. Wir alle können jedoch einen kleinen Teil dazu beitragen. Also seid achtsam und offen zueinander.

  • Avatar
    Vicky
    13. Oktober 2015 at 20:51

    Wirklich unfassbar ergreifend und auch mutig. Vielen Dank, Sophia. Es ist so schön zu hören, dass du nicht einfach aufgegeben hast, auch wenn du Rückfälle hattest. Ich werde die Geschichte bestimmt noch öfter lesen, damit es auch bei mir irgendwann „Klick“ macht. Ich will nicht aufgeben und deine Kraft ist für mich sehr motivierend. Ich will auch wieder leben können.
    Danke und viel Glück und Freude am Leben 🙂

  • Avatar
    Anna-Lena
    13. Oktober 2015 at 21:53

    Wahnsinn. Du kannst so stolz auf dich sein diesem Teufelskreis entkommen zu sein. Es ist so wahnsinnig schwer und dauert meist echt lange die eigenen Gedanken in die richtige Richtung zu lenken, da hast du wirklich einen riesigen und schnellen Fortschritt gemacht. Großen Respekt an dich Sophia!

  • Avatar
    Benne
    13. Oktober 2015 at 22:07

    Wow!!! Ein super Text!! Ich hatte Gänsehaut und Tränen in den Augen. Du schreibst toll. Von Anfang an, das erste Wort und ich war gefangen. Ich bin suuuuuper stolz auf dich!! Mach weiter so!! Du bist auf dem richtigen Weg mit der richtigen Einstellung! Ich bin so froh, dass es bei dir Klick gemacht hat! Das ist so wichtig. Ich weiß gar nicht, was ich noch schreiben kann… So geflasht bin ich. Ich wünsche dir für deine Zukunft alles alles gute, ein tolles Leben, ein gesundes Leben, viel Freude, viele schöne Momente, viel liebe, gute Gesundheit, einfach alles!! Du hast es verdient!! Und sei auch du selbst stolz auf dich! Es geht immer weiter, es geht voran, es geht bergauf. Du schaffst das! Du bist auf dem definitiv richtigen Weg mit hoffentlich viel Unterstützung um dich herum. Ich finde es toll, dass du deine Geschichte mit uns/mir geteilt hast. RESPEKT! Das ist nicht selbstverständlich. Ich wünsche dir einfach ein großartiges Leben, in dem du bestimmen kannst, wie es dir geht und niemand bzw. nichts anderes.
    Alles liebe und viel Erfolg weiterhin,
    Deine Benne

  • Avatar
    Sina
    14. Oktober 2015 at 22:40

    Liebe Sophia, ich hoffe sehr für dich, dass du diesen Kampf gewinnst!
    Louisa: Vielen Dank, dass du so aktiv auf so ein grauenvolles Thema aufmerksam machst .. ich liebe deine Snaps, dein Instagram und dein Blog. Ich finde dich toll, deine Mission, einfach alles. Du bist wirklich eine unglaubliche Inspiration und ich hoffe, dass sich sehr viele diesen Blogeintrag zu Herzen nehmen, denn Magersucht ist nichts, worüber man schweigen sollte. Vielen Dank liebe Lou und liebe Sophia für diesen Einblick in eine Welt, die mir zum Glück erspart blieb.

  • Avatar
    Josephin
    15. Oktober 2015 at 17:38

    Berührender Text!

  • Avatar
    posilli
    17. Oktober 2015 at 20:32

    wow danke!!! berührender text????

  • Avatar
    Nadine
    20. Oktober 2015 at 17:06

    Hallo,
    krasser Artikel… Und wahnsinnig mutige Frau! Respekt dafür!

  • Avatar
    Luisa
    20. Oktober 2015 at 18:43

    Unglaublich bewegender Beitrag! Die ersten paar Sätze habe mich schon zutiefst schockiert. Sophia, ich kenne dich zwar nicht, aber ich bin trotzdem sehr froh, dass du die Magersucht besiegt hast und wieder normal lebst :)!

  • Avatar
    Carmen
    22. Oktober 2015 at 17:48

    Hallo Sophia!
    ich finde deine Ehrlichkeit wirklich gut und finde es mutig damit an die Öffentlichkeit zu gehen.
    Ich habe es selber auch erlebt.
    Ich schaffe es zur Zeit auch alleine und hoffe für dich das beste!
    Für die Zukunft wünsche ich dir auch alles gute und das du es schaffst damit umzugehen. Es ist wichtig sich solche Ziele zu setzen und sie zu verfolgen.
    Ich habe angefangen ein Buch zu schreiben über meine Geschichte.
    ich weiß es sollte kein Aufhänger sein unter so einem Beitrag sein eigenes Schicksal zu „präsentierten“, aber ich möchte das du weißt das du nicht alleine bist und das es leider vielen jungen Damen so geht!

  • Avatar
    Annett
    29. Oktober 2015 at 19:31

    Hi Sophia,

    meinen RESPEKT wie Du es geschafft hast! Was ich so schlimm an dieser Krankheit finde ist, dass die Meisten sich der Krankheit, des Leidens und der Folgen absolut bewusst sind…und sie auch Heilung wollen und es dann trotz Unterstützung so oft nicht zur Genesung führt. Sophia, ich drücke DICH, mach weiter und bleib gesund.

    Liebe Grüße

    Annett

  • Avatar
    AllesundNichts
    1. November 2015 at 21:25

    Einfach richtig gut geschrieben! Hatte/ habe selber eine Essstörung und kann nur bestätigen, dass es das echt nicht wert ist und das mein sein Leben ganz anders genießen kann, wenn man mehr Energie usw. hat 🙂

  • Rückblick November 2015
    29. November 2015 at 12:23

    […] Trio haben ein sehr heikles Thema angesprochen: Magersucht. Dabei berichtet eine Betroffene sehr eindrücklich über ihre Zeit (könnte […]

  • Avatar
    Annika
    22. Februar 2016 at 14:57

    Liebe Sophia, liebe Louisa,
    ich finde es unglaublich mutig so offen und erblich darüber zu sprechen!!
    ich wünsche Sophia alles gute und danke ihr/dir, dass ihr auf eine solche schwere Krankheit hinweist! meine Freundin war mal magersüchtig, aber wir haben immer noch ein bisschen Angst, dass sie in ihre alten Muster zurück fällt, wir versuchen einfach sie wo es geht zu unterstützten.

    also danke an euch!!
    liebe Grüße,
    Annika

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    Annika
    17. März 2016 at 20:34

    Vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Es tut mir Leid, dass du das erleben musstest. Ich bin seit ein paar Monaten auf dem Weg zur Recovery und es geht mir immer besser. Was mich erschrocken hat, ist, dass unsere Körpergröße und Gewicht genau übereinstimmten, und ich bei deinen Fotos denke „ohje, sie ist aber dünn!“, aber das bei mir auf alten Fotos nicht sehen kann. Mittlerweile habe ich auch 10kg zugenommen 😉
    Ich wünsche dir viel Glück für deinen weiteren Weg und mache mir jetzt einen Kakao.
    Fühl dich umarmt, wenn du das lesen solltest,
    Annika.

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    Leonie
    30. März 2016 at 16:42

    Liebe Sophia,

    ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es schon alleine ist die Krankheit „Anorexia“ zu erkennen, aus eigenen Stücken dagegen vorzugehen und sie auch ab diesem Zeitpunkt als ein Teil von sich selbst anzusehen und zu akzeptieren! Damit meine ich nicht, dass eine dauerhafte Erkrankung demnach positiv sei, ganz im Gegenteil: Es war für mich selbst sehr schwierig mir einzugestehen, dass ich wirklich krank bin und Hilfe benötige. Hilfe, die ich eigentlich über einen langen Zeitraum nicht akzeptieren wollte und abwies. Hilfe von Bekannten, von Mitschülern und Freunden, von sogar Lehrern und ganz dramatisch auch nicht von meiner Familie. Ich wollte nicht über Essen reden oder alleine mich mit anderen darüber unterhalten. Fragen oder Kommentare wie Das ich „Geht es dir gut, du bist so dünn geworden?“oder „ob ich für eine Teilnahme am Sportunterricht überhaupt in der Lage sei“ … etc. ignorierte ich. Ich zog mich zurück! Verabredungen mit Freunden und einen ungeregelten Tagesablauf vermied ich lieber, es könnte ja sein das meine Freundinnen zu Starbucks oder zu Burger King gehen wollten… eine Horrorvorstellung für mich auch nur mehr kcal am Tag zu essen, als vorher strikt eingeplant. Wenn es in meiner schlimmsten Zeit nicht sogar mal fast 0 kcal am Tag wie bei dir waren, Sophia. Ähnlich wog ich bei 164 cm nur noch 38 kg. Meine Eltern tragen keine Schuld an meiner Erkrankungen. Ich habe Ihnen nichts vorzuwerfen. Sie selbst ziehen sich in die Schusslinie und behaupten sie hätten zu spät reagiert, vielleicht. Aber woher sollten sie wissen, wie man mit Anorexia umgeht oder überhaupt Ansätze vorzeitig erkennt! Ich selbst habe doch alles dafür getan meine Erkrankung geheim zu halten. Nach starken Gewichtsverlust, nahm mich meine Kinderärztin aus der Schule. Ich war über mehrere Monate nur zu Hause und musste eine strikte Ernährungszufuhr an kcal einhalten um zuzunehmen. Ich nahm sogar Astronauten Nahrung in Form von Shakes zu mir, um den hohen Kalorienwert den ich zu mir nehmen musste, überhaupt erreichen zu können (guter Tipp bei anfänglichen Probleme mit der Wiedereingliederung von fester Nahrung/warmen Mahlzeiten)! Zu einem Klinikaufenthalt kam es bei mir nicht. Ganz wichtig: Ich würde dennoch jedem der unter Anorexia erkrankt ist, solch einen empfehlen! Nur durch die hervorragende Hilfe meiner Familie, Ärzte, Psychologen und strenger Überwachung habe ich es ohne geschafft in ein Normalgewicht zu kommen.
    Damit bin ich ein Einzelfall und nicht die Regel. Zudem gab es keinen freien Platz in der Klinik für mich und während der Wartezeit entwickelte sich vieles zum Positiven. Ich muss gestehen, dass ich oft überlege, ob es nicht besser gewesen wäre in solch eine Klinik zu gehen, doch das wird die Zukunft zeigen. Ich erkrankte mit 12 Jahren und bin nun mit 16 Jahren seit fast zwei Jahren kontinuierlich im Normgewicht. Ich möchte hier nichts verschönigen und sagen ich bin komplett gesund und für den Rest meines Lebens geheilt… Dennoch, ich habe selbst erkannt das eine Magersucht nicht der richtige (wenn nicht sogar der schlimmste) Weg ist, glücklich zu werden und sich selbst zu akzeptieren!

    Sophia, ich bedanke mich auch für Deine offenen Worte, die mich zum Schreiben dieses Kommentars animierten. Hoffentlich können sich auch weiter Mädchen und Jungs die unter Anorexia leiden oder erkrankt waren, sich überwinden über ihre Probleme und auch Erfahrungen zu reden und zu schreiben.

    Denn Ihr seit nicht allein!

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    Rabi
    7. September 2016 at 15:48

    Ich bin 20 (bald 21)Jahre, habe seit 9 Jahren Fressattacken und seit 6 Jahren eine schwere Bulimie (laut Ärzten Anorexie subtyp, laut mir Bulimie). Ich habe 7 Jahre lang geschwiegen. Mit niemandem geredet. Nur mein Papa wusste es. Seit 1 Jahr stehe ich zu der Bulimie und rede offen darüber & das hat nichts damit zu tun, dass ich Aufmerksamkeit o.ä. haben will, sondern damit, dass ich es leid bin es vor jedem zu verheimlichen, alle anzulügen, für eine Fressattacke in 10 Geschäfte zu gehen und nach jedem Geschäft einmal nach Hause, falls ich Bekannte treffe die meine Einkäufe nicht sehen sollen. Ich habe keine Ahnung wie und warum das Mädchen aus deiner Schule das von sich überall erzählt hat, aber ich finde es nicht okay, sowas – was du geschrieben hast – zu schreiben. Es gibt immer wieder Menschen die mehr Aufmerksamkeit brauchen als andere, aber da sollte man sich die Frage stellen, warum sie diese Aufmerksamkeit haben wollen. Du möchtest nicht, dass andere voreilig über dich urteilen? Dann tue das selbst auch nicht. Das meine ich überhaupt nicht böse, es ist nur ein kleiner Denkanstoß.

    Ansonsten finde ich es unheimlich stark von dir, es so weit ohne Hilfe geschafft zu haben!
    Das deine Eltern Angst haben & die Magersucht ganz aus dir raus kriegen wollen, ist denke ich normal. Sie leiden mit dir, aber sie dürfen nicht vergessen, dass deine Essstörung für immer ein Teil von dir bleiben wird. Vielleicht irgendwann nicht mehr ein so großer Teil, aber sie bleibt ein Teil.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass eine ambulante Therapie was für dich wäre! Stationär scheint „nicht so deins zu sein“ & das würde keinen Sinn machen, wenn du es nicht wirklich möchtest. Ich wünsche dir alles Gute!

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    Gänseblümchen18
    17. September 2016 at 11:53

    Wow..!Bin grad echt sprachlos!!????

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    Kristina Paulina
    16. Oktober 2016 at 10:23

    Wow was für eine Geschichte!!

    Wahnsinn! Vielen Dank für deine Worte und den Mut all das öffentlich zu schreiben!

    Ich weiß selbst, was es bedeutet an einer Essstörung zu leiden und wie schwer es ist, damit zu leben geschweigedenn wie schwer es ist, das ganze in den Griff zu kriegen! Ich leide zwar nicht an MS sondern eher an Bulimie bzw. Binge Eating – aber dennoch sind viele Gedanken und Situationen ähnlich …

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute meine Liebe!!

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    Anna
    16. November 2016 at 10:31

    Hallo,ich bin Magersüchtig,Essgestörrt seit 4 Jahren.Anorexie seit fast 2 Jahren.Es ist schwer, so schwer damit zu leben.Ich habe eine änliche Geschichte und gerade am kämpfen.
    Ich wiederum habe noch Probleme mir alles zurück zu geben an Nahrung und die Wage weg zu stellen.
    Es fällt schwer die zu nahme zu akzeptieren.
    Es ist nichts mehr wie es war.
    Außerdem habe ich noch 2 Jahre abführmittel missbraucht,welches die Sache auch noch schlimmer machte.Nun habe ich in 4 Wochen bei normalem Kcal Zahlen 6 KG zu genommen und bekomme natürlich Angst,dass es sich nicht einpendeln. 16cm momentan 43 KG.Ich kämpfe und kämpfe fühle mich aber nicht wohl und komme mit dieser in meinen kranken Augen schnellen zu nahme nicht zurecht.

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    Fenja
    28. Februar 2017 at 22:15

    Hallo liebe lou… Hier mein Text, was Fitness für mich bedeutet. ?
    Fitness ist für mich nicht in irgendein Fitnessstudio zu rennen, was viele machen… aber was ich meiner Meinung nach korrekt finde, weil jeder das machen sollte was ihm/ihr Spaß macht.
    So macht mir z.B ein gesundes Leben Freude und zu einem fiten Leben gehört für mich Sport in meinen Alltag… Es ist einfach ein schönes Gefühl wenn man nach dem trainieren eine schöne Dusche sich,, gönnt „. ???

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    Fenja
    28. Februar 2017 at 22:17

    Hallo liebe lou… Hier mein Text, was Fitness für mich bedeutet. ?
    Fitness ist für mich nicht in irgendein Fitnessstudio zu rennen, was viele machen… aber was ich meiner Meinung nach korrekt finde, weil jeder das machen sollte was ihm/ihr Spaß macht.
    So macht mir z.B ein gesundes Leben Freude und zu einem fiten Leben gehört für mich Sport in meinen Alltag… Es ist einfach ein schönes Gefühl wenn man nach dem trainieren eine schöne Dusche sich,, gönnt „. ???

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    Laura
    14. Mai 2017 at 12:06

    Hey 🙂
    Ich finde deine Worte sehr bewegend! Es ist gut, wie offen du darüber sprichst und damit Menschen berührst!
    Du bist echt bewundernswert. Bleib weiter so stark!
    Liebe Grüße

    https://wegausmeinermagersucht.blogspot.de/

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    Kristina
    10. Juni 2017 at 18:32

    wow, sehr ergreifend und mutig diese Geschichte herauszubringen! Sie wird so vielen Menschen helfen! Auch ich helfe Menschen mit Essstörungen! Danke für den Beitrag! <3
    Kristina Förtsch
    http:www.paulinakristina.de

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    Eva
    22. Juni 2017 at 20:08

    Liebe Sophia! Was für ein ehrlicher Beitrag! Danke dafür! Vor allem für Deine Ehrlichkeit! Das finde ich bemerkenswert, vielleicht auch, weil ich an einer Essstörung leide, nicht so zufrieden mit mir bin und momentan versuche, mit meinem Blog, den ich mir aus „Selbsttherapiegründen“ erstellt habe, zu verarbeiten, was mich beschäftigt. Wie auch immer, ich finde dich toll! ♥
    Alles Liebe, deine Eva

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    Manu
    26. Januar 2019 at 16:45

    Sehr gut geschrieben, aus eigener Erfahrung weiß ich, daß unser Leben immer anders sein wird, wie das Leben der anderen da draußen…

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