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Sudan.

Demokratie. Ich darf meine Meinung äußern. Habe Rechte und Pflichten. Ich darf mich informieren. In Büchern, im Internet oder im direkten Gespräch mit anderen Menschen. Ich als Bürgerin habe Dank der Demokratie in Deutschland ein Recht auf freie Meinungsäußerung. Wir Bürger und Bürgerinnen haben die Möglichkeit wählen zu gehen und mit unserer Stimme entscheiden zu dürfen, von wem Deutschland regiert werden soll. Jetzt stellt euch vor, das alles gäbe es bei uns in Deutschland nicht. Das private Internet wäre abgestellt, Berichterstattungen würden nur einseitig und ausgewählt an uns herangetragen werden und wir hätten nicht das Recht mitzuentscheiden, von wem unser Land regiert werden soll.

Kaum vorstellbar, denn es betrifft uns nicht. Wir leben in einer Demokratie. Und auch wenn in unserem Land einiges schief zu laufen scheint, gibt es andere Länder – insbesondere die Bevölkerung dieser Länder- die mit uns sofort tauschen wollen würden. Staaten in denen eine Diktatur herrscht. In meinem persönlichen Empfinden so weit weg und doch viel näher und aktueller denn je. Leichen, die in den Nil geworfen werden. Soldaten, die Zelte anzünden und Zivilisten töten. Schreie, Blut und Tote. Willkommen in der Welt, der im Sudan lebenden Menschen.

Der Sudan ist ein armes Land mit knapp 41 Millionen Einwohnern. Die Hauptstadt heißt Khartum. Die medizinische Versorgung und soziale Absicherung in diesem Land ist unzureichend. Weitere Dienstleistungen, die für uns in Deutschland als selbstverständlich gelten, fehlen im Sudan an jeder Ecke. Bildung, Wasserversorgung, Sanitäreinrichtungen. Stellt euch vor, ihr könnt nicht schreiben oder lesen, weil es keine Schulen gibt. Müsst euch euer Wasser pro Tag einteilen. Nicht nur zum Trinken. Auch um zu kochen und zu waschen. Dem Sudan geht es nicht gut. Perspektivenlos und in einer wirtschaftlichen Krise gefangen, regierte das Land die letzten dreißig Jahre Omar al-Bashir. Ein Diktator.

Was machen wir in Deutschland, wenn wir möchten, dass sich in der Politik und in unserem Land etwas ändert? Wir gehen auf die Straße. Demonstrieren. Protestieren. Streiken. Und genau das hat die Zivilbevölkerung im Sudan getan. Sie hatten die Schnauze voll von steigenden Preisen und von Omar al-Bashir. Sie wünschen sich eine Demokratie in ihrem Land. Und dafür bezahlten bereits Bürger und Bürgerinnen im Sudan mit ihrem Leben.

Im April 2019 wurde der Diktator Omar al- Bashir gestürzt. Der Staat musste nach den vielen Demonstrationen und Streiks handeln. Leider war dieses Ereignis noch kein Grund zum Jubeln. In der Hoffnung, dem Weg Richtung demokratischem System ein Stück näher zu kommen, musste die Zivilbevölkerung mit zusehen, wie eine Militärregierung die Führung übergangsweise übernahm. Ganz oben an der Spitze: Mohamed Hamdan Dagalo. Auch genannt „Hemeti“. Oberster Befehlshaber der Rapid Support Forces (RSF) – die private Einsatztruppe von Omar al-Bashir. Zunächst wurde verhandelt. Es sollte Neuwahlen geben. Ein Fortschritt und ein Funke Demokratie schien auf einmal wieder möglich. Dann scheiterten aber die Verhandlungen.

Der Vergleich ist sehr vage, aber was haben wir hier in Deutschland gemacht, als wir wussten, dass unsere Regierung die selbsternannten Klimaziele nicht einhalten wird? Wir gingen auf die Straße. Jeden Freitag. Wir posteten wie wild im Internet unsere Meinung. Wir waren präsent. Und genau das tat auch weiterhin die Zivilbevölkerung im Sudan. Am 03. Juni kam es dann zu einem barbasischen Akt der Militärregierung. Gewaltsam lösten sie ein Protestcamp auf. Über hundert Tote, vergewaltigte Frauen und viele Verletzte waren das Resultat einer meiner Meinung nach Machtdemonstration Hemetis gegenüber der Zivilbevölkerung. Sie wollten deutlich machen: wir töten euch, wenn wir Lust darauf haben.

Es klingt wie in einem schlechten Kriegsfilm und ist doch Realität. Realität, die mir das Herz bricht. Weil ich in meiner kleinen Blase lebe. In einer Blase, in der es mir gut geht. Ich keine Angst vor Krieg oder einem Militär haben muss, welches mich vergewaltigt und tötet, wenn ich meine Meinung auf der Straße kundtun möchte und für Demokratie einstehe.

Egal, wie die Lage im Sudan ausgehen vermag. Ich persönlich konnte nicht anders als darüber zu schreiben. Diesen Kriegsfilm, der leider kein Film ist, zu reflektieren. Meinen vollsten Respekt den Menschen gegenüber zollen, die für eine bessere Zukunft kämpfen und jeden Tag Angst haben müssen, dafür mit ihrem Leben zu bezahlen. Es sind Nachrichten, die uns alle etwas angehen. Wir dürfen nicht weggucken, denn wir würden dasselbe von anderen Ländern erwarten, wenn wir in einer so scheinbar aussichtslosen Lage verharren würden. Und zu guter Letzt: wir sind Menschen. Wir alle. Unsere Gedanken und Werte machen uns zu dem, was wir sind. Also lasst uns gemeinsam Werte verfolgen, die uns glücklich machen und diese Werte nach außen tragen.

Anmerkung: bitte verlasst euch nicht einzig und allein auf meinen Blogeintrag. Seid kritisch. Lest noch andere Berichterstattungen. Meine Informationen habe ich von spiegelonline.de, welt.de und aus Gesprächen mit einer Freundin von mir (die Politikwissenschaften studiert) bezogen. 

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