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Früher dachte ich, dass die Beweggründe seine Brüste vergrößern oder die Nase verkleinern zu lassen oberflächlicher Art sind. Schönheits- Op’s, weil man danach besser aussieht. Mehr als 200.000 Menschen  legen sich pro Jahr unters Messer. Vor zwei Jahren hätte auch ich beinahe dazugehört. Ich persönlich habe mich im letzten Moment gegen eine Schönheits- Op entschieden – was aber nicht bedeutet, dass ich Menschen verurteile, die etwas an ihrem Körper verändern lassen. Vielmehr kann ich ihre Gefühle, Ängste und Zweifel nachempfinden, weil ich selbst mal so gefühlt habe. Alles begann in meinem Kopf, als mein damaliger Freund mir gestand, dass er meine Brüste zu klein findet. In diesem Moment war ich noch nicht so sehr in mir selbst angekommen, dass ich über diese Aussage hätte hinweg sehen können. Sie belächelt hätte. Einmal tief ein- und ausgeatmet hätte und ihm selbstbewusst gesagt hätte, dass ich so bleibe wie ich bin. Stattdessen ernährte ich den stumpfen Schlag, der sich in meine Magenkuhle festsetzte. Der Schmerz nach dem Satz „Ich finde deine Brüste zu klein“ war nicht auszuhalten. Ich weinte, schämte mich nackt vor meinem Freund rumzulaufen und fasste jede halbe Stunde meine Brüste an, weil ich Angst hatte, sie könnten noch kleiner werden.

Als der Schmerz nicht mehr auszuhalten war, entschied ich mich für ein Gespräch bei einem Experten. Ich wollte nicht für mich besser aussehen, sondern für meinen Freund. Ich wollte wieder nackt und selbstbewusst vor ihm stehen können und das Gefühl bekommen, dass ich mit größeren Brüsten genug für ihn bin. Hört sich echt komisch an, oder? Ich wollte diese OP nicht der Brüste wegen. Ich wollte sie, um mich selbst lieben zu können. An Selbstbewusstsein dazu zu gewinnen. Und um endlich wieder Sex mit meinem Freund genießen zu können. Ich reduzierte mich auf meinen Körper.

Ich dachte also, dass ich und andere mich nur lieben können, wenn ich größere Brüste habe. Nach dem Gespräch in der Schönheits- Chirurgie kullerten mir die Tränen die Wangen hinunter. Eigentlich hätte ich mich befreit fühlen sollen. Pralle Brüste, die mir ein schöneres Leben versprechen sollten. Aber es ging nicht. Ich konnte diesen Gedanken einfach nicht mit mir vereinbaren. Es fühlte sich falsch an. Schließlich hatte ich bisher meine Brüste so akzeptiert wie sie waren. Klein aber fein. Schließlich sollte es in einer Beziehung nicht nur auf das Äußere ankommen. Ich wollte diese Op nicht auf mich nehmen. Nicht für andere Menschen. Nicht für mehr Selbstliebe. Die hatte ich nämlich genau in diesem Moment auch ohne eine Op dazubekommen. Ich reflektierte mich. Fühlte mich gut dabei und entschied mich meinen Körper so zu lassen, wie er auf die Welt gekommen ist. Halleluja tat das gut.

Mit meinem damaligen Freund habe ich ab dem Zeitpunkt gebrochen. Ich konnte keine glückliche Beziehung mit jemanden führen, dem etwas an meinem Körper störte. Heute bin ich dankbar für die Aussage, die nichtmal böse gemeint war. Ich bin dankbar, dass ich mit dieser Situation umgehen musste. Emotionen kennenlernte, die ich vorher noch nicht kannte. Meine Brüste gibt es auch heute „nur“ in der echten Version. Auch jetzt würde ich meinen Körper nicht verändern lassen, um anderen zu gefallen.

Trotzdem kann ich Frauen, die sich einer Schönheit-Op unterziehen, verstehen. Jeder Mensch muss mit seinen Emotionen und Gefühlen so umgehen, dass er am Ende des Tages glücklich ins Bett gehen kann. Es hat nichts mit schwach oder stark sein zu tun, wenn man sich für eine Op entscheidet. Wir alle haben ein ganz unterschiedliches empfinden für unsere Selbstliebe. Und dazu gehören auch Schönheits-Op’s. Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass ihr euch Zeit mit einer so großen Entscheidung lassen solltet. Wartet 1-2 Monate, ob das Gefühl, ihr müsstet etwas an eurem Körper verändern lassen, anhält oder verschwindet. Und dann tut das, was euch gut tut. Nicht das, was anderen Menschen um euch herum gut tut.

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Kommentare zu diesem Beitrag

  • Julia

    geschrieben am 21. Oktober 2017

    Ich persönlich finde es ja völlig in Ordnung, sich einer Schönheits-OP zu unterziehen. Aber es sollte eben nicht für andere sein, sondern für einen selbst. Wenn man irgendein Körperteil hat, mit welchem man nicht leben kann / möchte, dann finde ich es gut, dass es die Möglichkeit gibt, es zu verändern. Aber ich stimme dir zu in der Aussage, man sollte erst einmal abwarten, ob es wirklich die OP ist, die alles ändern kann, oder ob vielleicht noch ein anderer Faktor in das mangelnde Selbstwertgefühl mit hineinspielt, wie ein Mann oder einfach eine schlechte Phase 🙂

    Antworten
  • Julia

    geschrieben am 22. Oktober 2017

    Erstmal großes Kompliment an diesen wirklich berührenden Beitrag liebe Lou! Wie ich so über die Zeilen gelesen habe erkannte ich mich selbst wieder. Es war mir lange Zeit wahnsinnig wichtig anderen zu gefallen und meine Selbstzweifel resultierten aus der Meinung meines Umfeldes. Also auch ich hatte mal mit dem Gedanken einer OP gespielt und finde es gerade echt krass, dass mir die Meinung anderer Leute so wichtig war, dass ich alle Risiken einer Operation in Kauf genommen hätte. Danke für deinen Appell, dass die Alternative seinen Körper und sich selbst zu akzeptieren zu wesentlich mehr Wohlbefinden führt! Lg, Julia

    Antworten
  • Doris Uslow

    geschrieben am 22. Oktober 2017

    Wunderschön geschrieben und spricht mir voll aus meinem Herzen heraus. Bitte bitte bitte mach weiter so – bleib bitte weiter so authentisch und ehrlich und brich Tabus wie über die Menstruation zu reden oder ähnliches. Seit dem du diesen Weg eingeschlagen hast, seit dem liebe ich dich noch mehr – kaum zu glauben oder aber ist tatsächlich so. 🙂

    Fühle dich gedrückt von mir! 🙂

    Antworten

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