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Erst wenn’s fehlt, fällt’s auf.

Ich lag auf einem mobilen Krankenbett. Die Tabletten, die mir die Krankenschwester vorher gab fingen an zu wirken. Ich war leise, ruhig und völlig entspannt. Verrückt, wenn ich daran zurückdenke, dass mir eine Operation am Herzen bevorstand. Nur wenige Wochen zuvor wurde ein Loch in meiner Herzklappe diagnostiziert. Ob dies der Grund war, weshalb ich beim Sport immer umkippte, bewusstlos wurde und höllische Schmerzen in meinem Kopf hatte, konnte mir weder der Kardiologe noch der Chefarzt zu hundertprozentiger Sicherheit sagen. Aber die Operation war nötig. Also lag auf diesem mobilen Krankenbett und wartete auf die Narkose. Ich hatte mich am vorherigen Tag von meiner Familie verabschiedet. Nur für den Fall der Fälle, dass etwas schief laufen würde.

„Frau Dellert, zählen sie mal langsam bis zehn“. 1..2..3..als ich wieder aufwachte war alles vorbei. Mir ging es gut. Ich wusste aber nicht so genau, wo ich überhaupt war. Meine erste Bitte an die Krankenschwester (noch völlig benebelt und geschwächt von der Operation) war, ob ich bitte meinen Vater anrufen könne. Was ich am Telefon gesagt habe weiß ich bis heute nicht. Mein Brustkorb wurde aufgeschnitten, mein Herz während der Operation stillgelegt und durch eine Herz- Lungen- Maschine am Leben gehalten.

Das hat mit mir viel gemacht. Emotional. Aber auch mit meinem Verhalten und meiner Sichtweise aufs Leben. Dankbar sein, wenn man gesund ist. Noch dankbarer sein, dass es Menschen und Möglichkeiten gibt, die einen wieder gesund machen können. Was würden wir ohne Ärzte, Krankenschwestern oder Rettungssanitäter machen? Wir setzen voraus, dass uns jemand hilft. Wir setzen voraus, dass uns immer aus der Patsche geholfen wird. Aber erst wenn etwas fehlt, fällt es uns auf. Umgekehrt fehlt den Menschen, die unsere Leben retten auch oft etwas. Sie können uns untersuchen, uns operieren und etwas reparieren. Und oft wird dafür Blut benötigt. Blutkonserven. Das Blut, welches wir spenden damit es andere Menschen wieder gesund werden können.

Heute ist der Weltblutspendertag. Laut dem Blutspendedienst DRK benötigen wir aktuell bundesweit täglich 15.000 Spender/innen, um den Bedarf an Blutkonserven decken zu können. Leider spenden in Deutschland aber nur 3% der Bevölkerung Blut. Und es werden immer weniger. Ein Grund mehr darüber nachzudenken, nicht alles für selbstverständlich hinzunehmen. Ein Grund mehr, sich für eine Blutspende zu entscheiden und 30 Minuten seines Lebens dafür zu investieren. Ich persönlich war zwar auf kein Blut angewiesen, aber ich weiß, was passiert wäre, wenn etwas gefehlt hätte. Ärzte, Krankenpfleger, aber auch Blutkonserven. Ich bin Blutspenderin. Ich weiß meine Blutgruppe und ich weiß, dass ich dadurch Leben retten kann. Seid ihr dabei?

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